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Fakten-Check Mobilität 3.0

Es gibt erfreuliche Nachrichten bezüglich der Elektromobilität in Deutschland, denn die Wachstumsrate zusätzlicher Elektrofahrzeuge stieg 2017 im Vergleich zu den Vorjahren erstmalig wieder an. So waren Ende 2017 rund 123.000 Elektrofahrzeuge, davon knapp 62.000 rein elektrisch, auf Deutschlands Straßen unterwegs – ein Plus von starken 80 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ein erster Schwung in Richtung der gewünschten Dynamik, nichtsdestotrotz gibt es noch viel Aufholbedarf. Nur vier neue Plug-in-Modelle kamen 2017 auf den Markt – und lediglich ein neues reines Elektrofahrzeug. Viele Hersteller haben dagegen Facelifts ihrer elektrifizierten Modellpalette angeboten. 2018 scheint die Elektromobilitätsoffensive auch auszubleiben – einzig Audi und ein Newcomer haben neue reine Elektrofahrzeuge angekündigt.

Die Erkenntnisse im Überblick:

Bestandsentwicklung verzögert die Erreichung des Millionen-Ziels
Um eine Million Elektrofahrzeuge bereits 2020 in Deutschland zum Bestand zählen zu können, müsste die durchschnittliche Wachstumsrate über die kommenden drei Jahre knapp über 100 Prozent betragen. 2018 müssten so insgesamt rund 125.000 Elektrofahrzeuge neu zum Bestand hinzukommen – im Gegensatz zu den 55.000 Fahrzeugen in diesem Jahr. Unter den gegebenen Parametern erachten wir ein solches Wachstum für kaum möglich, dazu müssten sich verschiedene Treiber grundlegend verbessern. Wir rechnen 2018 mit einem Bestandszuwachs von rund 85.000 auf dann 207.000 Elektrofahrzeuge. Unter Beibehaltung der Wachstumsgeschwindigkeit der letzten Jahre verzögert sich die Erreichung des Millionen-Ziels um knapp über ein Jahr auf Anfang 2022.

Reichweite wächst stetig
Positiv zu vermerken ist, dass sich die Reichweitensteigerung der reinen Elektrofahrzeuge weiter fortsetzt. Die durchschnittliche Reichweite aller 2017 verkauften Elektrofahrzeuge lag, entsprechend Herstellerangaben und wie im Vorjahr prognostiziert, bei 298 Kilometern. Fünf Jahre zuvor war der Wert noch 135 Kilometer niedriger. Wir gehen davon aus, dass mit sinkenden Batteriepreisen und verbesserter Batterietechnik Automobilhersteller in den kommenden Jahren deutlich höhere Reichweiten in Elektrofahrzeugen verbauen werden. Unserer Prognose nach wird bis 2020 ein neu zugelassenes reines Elektroauto im Durchschnitt rund 415 Kilometer mit einer Batterieladung zurücklegen können.

Batterien werden weiter günstiger
Wir gehen davon aus, dass die Automobilhersteller 2017 für den gesamten Batterieblock nicht mehr als 171 EUR/kWh aufgewendet haben. Im Vergleich zum Vorjahr wäre das ein Preisrückgang von 24 Prozent. Somit betrugen die Batteriekosten weniger als ein Viertel der Kosten von 2009. Wenn sich der aktuell positive Trend fortsetzt, wird bis 2020 eine Kilowattstunde weniger als 100 Euro kosten.

Preisaufschlag für Elektroautos steigt trotz günstigeren Batterien
Fallende Preise für Elektrofahrzeuge sind ein wesentlicher Treiber der Elektromobilität. Allerdings steigt seit 2 Jahren die Preisdifferenz zwischen rein batteriebetriebenen Elektrofahrzeugen und Verbrennern. Waren reine Stromer bis 2010 noch doppelt so teuer wie vergleichbare Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren (also über 100 Prozent), fiel der durchschnittliche Preisaufschlag aller 2015 zugelassenen Stromer auf ca. 41 Prozent. Seitdem erhöht sich die Preisdifferenz wieder, denn 2017 stellen wir einen durchschnittlichen Aufpreis von reinen Stromern im Verhältnis zu vergleichbaren Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor in Höhe von 49 Prozent fest. Einige Autobauer wie BMW und Renault haben jedoch bereits angekündigt, dass ab 2020 kleine Elektroautos genau so viel kosten sollen wie vergleichbare Modelle mit konventionellem Antrieb, bei größeren Modellen soll dies einige Jahre später der Fall sein.

Energiedichte mit deutlichem Fortschritt
In der Vergangenheit konnte auch die leicht verbesserte Energiedichte der verwendeten Batterien nicht als ausreichend positiver Wachstumstreiber identifiziert werden. Sie lag 2012 noch bei ca. 87 Wattstunden pro kg Batterie (Wh/kg) und stieg 2016 auf gerade einmal 98 Wh/kg. In anderen Worten: Am Gewicht einer Batterie pro Wattstunde hatte sich in den letzten Jahren wenig verändert. Doch 2017 fand im Bereich der Energiedichte ein beachtlicher Sprung auf 118 Wh/kg statt, was einem Plus von fast 20 Prozent entspricht. Die Weiterentwicklung der Batterietechnologie wird dafür sorgen, dass zukünftig leichtere Batterien verbaut werden können.

Ausbau der Ladeinfrastruktur nimmt langsam Fahrt auf
Die Dichte an öffentlichen Ladepunkten liegt in Bezug auf die definierte Zielsetzung momentan noch nicht „auf Kurs“. Allerdings geben die Zahlen für 2017 definitiv wieder Grund, positiv dem Ausbau der Ladeinfrastruktur entgegenzublicken. 2017 gab es im Vergleich zu 2016 bei Ladestationen ein Plus von knapp 60 Prozent auf nun fast 11.000 öffentliche Auflademöglichkeiten. Mit der durchschnittlichen Wachstumsdynamik der letzten beiden Jahre würde man den Zielwert von 70.000 im Jahr 2020 jedoch mit gerade einmal 28.000 Ladestationen weit verfehlen. Nötig wäre ein Vielfaches. Hoffnung gibt die Kooperation Ionity der deutschen Autohersteller VW, Audi, Porsche, Daimler und BMW, die in Europa gemeinsam ein Schnellladenetz aufbauen wollen.

Die wesentlichen Ergebnisse sind in dieser Infografik veranschaulicht.

Die wesentlichen Ergebnisse sind in dieser Infografik veranschaulicht.

Kontakt

Dr. Oliver Greiner
OGreiner@horvath-partners.com

Studienbestellung

Bei Interesse an den detaillierten Studienergebnissen wenden Sie sich bitte an Frau Isabella Hofmann (IHofmann@horvath-partners.com).