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Interview mit Christian Rhino, CIO der Privatkundenbank der Deutschen Bank

Auf dem Weg zur nächsten Generation des digitalen Bankings

Die Deutsche Bank startet eine umfassende Digitaloffensive: Christian Rhino, Chief Information Officer der Privatkundenbank, erklärt, warum ohne moderne Architektur, saubere Daten und ein schlankes Operating Model kein echter KI-Wert entsteht – und weshalb in der Privatkundenbank in den kommenden drei Jahren rund 900 Millionen Euro in IT, Operations und künstliche Intelligenz investiert werden. Er zeigt, wie agentische KI bereits heute Modernisierung beschleunigt, wie sie hilft, die IT Landschaft nachhaltig zu verschlanken und warum „Tech-Literacy“ zur Kernkompetenz der Zukunft wird. Ein Gespräch über Tempo, Transformation – und digitales Banking, das Kunden spürbar entlastet.

Die Deutsche Bank greift die Digitalisierung und KI-Transformation im großen Stil an. Von welchen Dimensionen sprechen wir? Wie viele Teams / Mitarbeitende waren bspw. im jüngsten großen Digitalisierungsprojekt involviert? :

RHINO Ein eindrucksvolles Beispiel für die Dimension unserer Digitalisierungsprojekte ist die Einführung unseres neuen Online‑ und Mobile‑Bankings, die wir im August vergangenen Jahres erfolgreich abgeschlossen haben. Dabei haben wir die komplette technische Basis erneuert und eine moderne, cloudbasierte Plattform geschaffen, die erstmals von allen unseren Marken in Deutschland gemeinsam genutzt wird. Auf dieser Basis können wir zukünftig markenübergreifend neue digitale Produkte und Services viel schneller und effizienter entwickeln.

Um eine solche Transformation erfolgreich umzusetzen, braucht es enorme gemeinsame Anstrengungen. Allein am finalen Migrationswochenende waren mehrere hundert Kolleginnen und Kollegen im Einsatz. Doch entscheidend war die monatelange enge Zusammenarbeit zwischen den Geschäftsbereichen wie der Privatkundenbank und den Expertinnen und Experten aus meinem Technologiebereich. Dieses Zusammenspiel macht Projekte dieser Größenordnung erst möglich.

Auf welche Themen fokussieren Sie sich bei Ihren künftigen Digitalisierungsinvestitionen? :

RHINO Auf unserem Investorentag im November 2025 haben wir erklärt, dass wir in der Privatkundenbank in den kommenden drei Jahren rund 900 Millionen Euro unter anderem in IT, Operations und KI investieren werden. Der größte Treiber dieser Investitionen ist die grundlegende Modernisierung unseres Betriebsmodells. Heute arbeiten wir in der Privatkundenbank weltweit noch mit 15 verschiedenen Kernbankensystemen. Künftig werden wir diese Landschaft auf zwei moderne, cloudbasierte Plattformen konsolidieren – eine in unserem breiten Privatkundengeschäft, dem Personal Banking und eine für das Wealth Management.

Ein wesentlicher Beschleuniger dabei ist agentische KI: Sie unterstützt uns beispielswese bei Code‑Übersetzung und Datenmanagement – und sie hilft uns dabei, unsere Technologie schneller zu modernisieren. Parallel dazu vereinfachen wir unser Anwendungsportfolio erheblich und planen, die Zahl unserer Anwendungen um rund 40 % zu reduzieren.

Und wir investieren gezielt in Technologien, die unseren Kundinnen und Kunden ein nahtloses, intuitives und personalisiertes Banking ermöglichen. Ein Beispiel: Wir entwickeln derzeit einen KI-gestützten Assistenten, mit dem unsere Kundinnen und Kunden gewissermaßen einen direkten Ansprechpartner haben, der im ersten Schritt bei Funktionalitäten, die in unserer App sind, unterstützen kann. Diesen digitalen Assistenten möchten wir in der zweiten Jahreshälfte für unsere Kunden verfügbar machen. Wir bauen ihn danach weiter aus, um auch komplizierte Bank-Prozesse zu übernehmen.

KI-Projekte stehen derzeit stark im Fokus. Drohen andere wichtige Digitalthemen in den Hintergrund zu rutschen? Welche sind das? :

RHINO Der Eindruck entsteht schnell – aber genau das Gegenteil ist richtig. KI darf nie isoliert betrachtet werden, und wir sehen sie ausdrücklich nicht als Einzelprojekt, sondern als integralen Bestandteil unserer gesamten Technologie‑ und Digitalstrategie.

Wie ich eben erläutert habe: Unsere großen Programme – von der Konsolidierung der Kernbankensysteme über die Modernisierung unserer Anwendungslandschaft bis hin zu neuen, skalierbaren Cloud‑Plattformen – sind die Voraussetzung dafür, dass KI ihren vollen Wert entfalten kann. Ohne moderne Architektur, saubere Daten und ein einfacheres Operating Model könnten viele der Effizienz‑ und Wachstumshebel durch KI gar nicht gehoben werden.

Wie profitieren Kundinnen und Kunden konkret, wenn Banking maximal bzw. optimal digitalisiert wird? Wie sieht das Privatkundengeschäft der Zukunft aus, 2030 oder 2035? :

RHINO Einfachheit, Geschwindigkeit und persönliche Relevanz: Das sind die entscheidenden Vorteile, die Kundinnen und Kunden durch die Digitalisierung des Bankgeschäfts erhalten. Viele Services sind bereits heute vollständig digital und werden millionenfach genutzt.

Zukünftig erwarten Kundinnen und Kunden eine noch stärker auf sie zugeschnittene Beratung, automatisierte Standardprozesse und Vertragsabschlüsse per Smartphone. Gleichzeitig werden Finanzdienstleistungen immer stärker in den Alltag integriert, zum Beispiel in Mobilitäts- oder Handelsplattformen. Und trotz maximaler Digitalisierung bleibt eines zentral: Für komplexe Entscheidungen wird persönliche Beratung weiterhin eine wichtige Rolle spielen.

Wie „enablen“ Sie Ihre Mitarbeitenden für neue Technologien, was gibt es für bereichsübergreifende Programme und Trainings? :

RHINO Wir investieren bewusst nicht nur in Technologie, sondern genauso in unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Denn der größte Hebel für den Erfolg unserer Digitalisierung liegt in der gesamten Organisation. Mitarbeitende und Führungskräfte müssen zwar nicht jedes technische Detail verstehen, aber ein grundlegendes Verständnis für die Möglichkeiten der Technologie entwickeln. 

Diese „Tech-Literacy“, also die Fähigkeit, Technologie zu verstehen, zu bewerten und zu nutzen, ist entscheidend, um die Chancen moderner Technologien optimal zu nutzen. So konzentrieren wir uns darauf, KI-Kompetenzen in der gesamten Bank aufzubauen. Dabei geht es darum zu verstehen, was KI ist, was sie nicht ist und wie man sie strategisch einsetzt. Wir bieten Schulungen wie „GenAI Fundamentals“ für alle Mitarbeitenden an, unabhängig von ihrem technischen Hintergrund.

In der gesamten Bank gibt es eine große Neugier und Dynamik. Wir fördern diese Energie, indem wir die Zusammenarbeit zwischen Geschäfts- und Technologieexperten stärken. In gemeinsamen Foren entstehen so die besten Ideen und erhalten die Unterstützung, die sie für ihre Umsetzung benötigen.

Über Christian Rhino

Christian Rhino ist CIO der Privatkundenbank der Deutschen Bank und verantwortet seit Februar 2025 die globale IT‑Infrastruktur sowie die digitale Innovation. Zuvor war er Mitglied des Vorstands sowie CIO und COO der Landesbank Hessen‑Thüringen (Helaba) und verfügt über mehr als 27 Jahre Erfahrung im Finanzdienstleistungssektor. Seine Karriere begann bei der Deutschen Bank, bevor er ab 2001 verschiedene Führungspositionen in der Commerzbank‑Gruppe übernahm – unter anderem als COO der mBank in Warschau, als Bereichsvorstand Banking Operations und zuletzt als Group Chief Data Officer der Commerzbank AG.

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