KI-Welle: Deutsche Unternehmen im Ländervergleich am optimistischsten in Bezug auf positive EBIT-Effekte – bremsen Umsetzung aber wegen Sicherheitsbedenken aus

  • Topmanagement rechnet hierzulande mit deutlich positiven EBIT-Effekten durch KI – operative Ebenen und internationale Peers sind deutlich skeptischer

  • Sicherheitsbedenken, fehlender Marktüberblick und Skill-Lücken bremsen die Wertschöpfung durch KI
     

Deutsche Unternehmen sind häufig optimistisch hinsichtlich der Auswirkungen ihrer Investitionen in KI auf ihre Geschäftsbilanz. Laut der KI-Studie „From AI to EBIT“ von Horváth erwarten 75 Prozent der in Deutschland befragten Führungskräfte großer Unternehmen einen stark positiven Effekt ihrer KI-Investitionen auf den Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT). Im internationalen Schnitt sagen das nur 54 Prozent. Auffällig ist zudem, dass die erste Führungsebene, also Vorstand und Geschäftsführung, deutlich optimistischer ist als das operative Management. Während drei Viertel der global befragten CxOs einen stark positiven Einfluss der KI-Investitionen auf den EBIT erwarten, teilen diese Erwartung auf Abteilungsleitungsebene nur 21 Prozent der Befragten. „Dieses Gap in den Einschätzungen ist ein klares Anzeichen dafür, dass sowohl bei der Strategie als auch in der Implementierung Wunsch und Wirklichkeit vielfach auseinandergehen“, sagt Matthias Emler, Partner bei der Managementberatung Horváth. „Die Erwartungen auf Topmanagementebene steigen indes – so dass eine Ernüchterung vorprogrammiert ist.”

KI-Hype befeuert Nachfrage – und Fehlentscheidungen

In vier von fünf deutschen Unternehmen ist die Bereitschaft des Top-Managements, Geld für KI-basierte Lösungen auszugeben, derzeit deutlich höher als für andere IT-Investitionen. Der Vertrieb entsprechender Lösungsanbieter geht daher aggressiv vor, um die Gunst der Stunde zu nutzen. Eine große Mehrheit der Befragten beobachtet dies (Deutschland: 79 Prozent; USA: 84 Prozent). Die Folge: Führungskräfte kommen regelmäßig auf IT-Verantwortliche zu, um die Anschaffung neuer KI-Lösungen zu diskutieren. Ob diese notwendig oder nutzenstiftend für das Unternehmen sind, wird dabei nicht immer ausreichend beleuchtet. Die Befragungsergebnisse zeigen beispielsweise ein hohes Risiko, dass erworbene Lösungen am Ende nicht optimal mit den hauseigenen Systemen ineinandergreifen. „KI-basierte Lösungen werden, getrieben durch hohe Erwartungen des Vorstands und starke Vertriebsoffensiven der Anbieter, mitunter ohne systematischen Auswahlprozess gekauft und implementiert“, so Horváth-Experte Emler.

Die Unternehmen stellen auch zunehmend fest, dass das Preis-/Leistungsverhältnis vieler KI-basierter Lösungen aufgrund des Hypes tendenziell unausgewogen ist. 79 Prozent der Befragten beobachten dies. Ebenso viele bemängeln, dass die angebotenen KI-Anwendungen teilweise deutlich hinter den Erwartungen hinsichtlich Reife und Funktionsumfang zurückbleiben.

Es fehlt an Transparenz und Verständnis

Eine häufige Ursache für „Fehlkäufe“ sind fehlende Transparenz, mangelnder Marktüberblick, und auch unzureichendes Technologie-Verständnis auf Führungsebene. Acht von zehn Befragten in Deutschland geben an, dass ein relevanter Anteil an Personen auf Managementebene Probleme habe, die neuen KI-Technologien zu durchdringen. Sieben von zehn Unternehmen können zudem nicht sicher angeben, welche KI-Anwendungen in der Organisation insgesamt genutzt werden. „Der Boom von KI-Tools – kombiniert mit immer neuen KI-Investitionen der Abteilungen – erschweren den Überblick“, sagt Horváth-Partner Matthias Emler.

KI-Sicherheitsrisiken verunsichern besonders deutsche Unternehmen

74 Prozent der Befragten sehen die Nutzung von nicht offiziell freigegebenen KI-Anwendungen kritisch. Denn während der Wildwuchs von KI-Tools in Unternehmen zunimmt, machen sich Kriminelle die Technologie auch immer stärker selbst zunutze. 84 Prozent der befragten Entscheider bemerken, dass Cyberangriffe durch KI ausgeklügelter werden. Die Sensibilität für Cyberrisiken in Zusammenhang mit KI-Anwendungen ist in Deutschland stärker ausgeprägt als in den USA (10-15% höhere Zustimmungswerte).

Sorge um abnehmende Fachkompetenz

In 81 Prozent der befragten deutschen Unternehmen wird darüber hinaus vom Management befürchtet, dass Mitarbeitende durch den zunehmenden Einsatz von KI-Tools wie ChatGPT dazu tendieren, KI-Ergebnisse ungeprüft zu verarbeiten und Informationen blind zu vertrauen. „Diese Gefahr besteht“, so Emler. „Es ist daher immens wichtig, den systematischen Einsatz von KI-Technologie mit einem unternehmensübergreifenden Trainings- und Enablement-Programm zu flankieren, in dem Funktionsweisen, Risiken und Corporate Guidelines vermittelt werden.“ Wird die unternehmenseigene KI-Transformation mit einem solchen Programm auf eine solide Basis gestellt, können sich dem Experten zufolge Fachkompetenz und KI-Skills zugunsten effizienteren und besseren Ergebnissen verbinden.

Über die Studie

Für die Befragung „From AI to EBIT – Wie sich KI endlich rentiert“ untersuchte die Managementberatung Horváth mehr als 200 Unternehmen und Organisationen aus der DACH-Region, den USA und Nordeuropa („Nordics“), mit mindestens 200 Millionen Euro Jahresumsatz. Die Stichprobe aus Deutschland umfasst mehr als 100 Unternehmen.