Horváth-Studie - Europas Verteidigung läuft auf amerikanischen Servern - Kritische Infrastruktur der NATO ist anhaltenden Cyberangriffen ausgesetzt.

  • Kritische Infrastruktur der NATO ist anhaltenden Cyberangriffen ausgesetzt
  • Nur 13 Prozent der Cloud-Nutzung in der Verteidigung läuft über europäische Dienstleister
  • Marktkonzentration und Gesetzgebung in den USA werden zum Druckmittel

Aktuelle Daten sind zu einem entscheidenden strategischen Vorteil in der Verteidigung geworden. Umso wichtiger, dass sie sicher in der Cloud verarbeitet und genutzt werden können. Doch 72 Prozent der Cloud-Nutzung wehrtechnischer Industrieunternehmen läuft über US-Anbieter wie Microsoft, Amazon und Google. Die Cloud-Abhängigkeit droht damit zu einem politischen Druckmittel zu werden. Die Branche hat das Problem erkannt: Nahezu jeder zweite Rüstungsmanager hält das Nichtvorhandensein einer souveränen Cloud für den größten Engpass bei den operativen Kapazitäten. Das sind Ergebnisse der Horváth-Studie „Aerospace & Defense“, für die Top-Führungskräfte der Luft- und Rüstungsbranche befragt wurden.

Während US-Anbieter knapp drei Viertel der europäischen Cloud-Infrastruktur betreiben, kommen europäische Anbieter zusammen gerade mal auf 13 Prozent.

US-Regierung kann auf Cloud-Daten zugreifen

Möglich wird das durch ein US-Bundesgesetz, den CLOUD Act (Clarifying Lawful Overseas Use of Data Act). Das Gesetz verpflichtet amerikanische Unternehmen wie die drei großen US-Cloudanbieter, Daten auf Anfrage amerikanischer Behörden herauszugeben, unabhängig davon, ob die Server in Europa stehen. „Wer die Cloud kontrolliert, kontrolliert im Zweifel auch den Ausgang eines Konflikts. Europa braucht aber nicht nur mehr Investitionen in eine eigene Infrastruktur, zunächst brauchen die Länder in der EU eine gemeinsame Definition, was eine souveräne Cloud leisten soll“, erklärt der Verteidigungsexperte. Ohne ein gemeinsames Bewusstsein für digitale Souveränität bleibe jede Investition nur Stückwerk.

KI führt zur Disruption in der Verteidigung

Auch bei Künstlicher Intelligenz (KI) gibt es Nachholbedarf. 82 Prozent der befragten Führungskräfte sind überzeugt, dass KI zur disruptivsten Kraft im Verteidigungssektor geworden ist. Durch ihren Einsatz werde Führung, Steuerung und Logistik schneller verändert als durch jedes neue Waffensystem. Doch bis zur Implementierung von KI in betriebliche Prozesse ist es noch ein weiter Weg. 95 Prozent der befragten Unternehmen haben KI-Projekte gestartet, stecken aber in vielen Bereichen noch in der Anfangsphase. Datensicherheitsbedenken und fragmentierte Datenlandschaften blockieren die Skalierung. 

Gleichzeitig wächst der Druck, beim KI-Reifegrad aufzuholen: Bis 2030 sollen 90 Prozent der neuen Militärhardware über vernetzte Systeme verbunden sein. „KI wird aber nur dann zum militärischen Vorteil, wenn Europa die Datenbasis dafür souverän kontrolliert. Daher ist die eigentliche Herausforderung nicht die KI, sondern die Architektur einer souveränen Cloud dahinter", sagt Ralf Gaydoul.

Über die Studie

Für die Horváth-Studie „Aerospace & Defense“ wurde eine repräsentative Auswahl an verantwortlichen Managern aus Rüstungsunternehmen in Deutschland und Europa befragt. Die Stichprobe umfasst über 60 befragte CxOs, mit denen persönliche Tiefeninterviews geführt wurden.