Größte Hürde bei Investitionen sind Kapazitätsengpässe bei Lieferanten
95 Prozent der Bestellprozesse im Einkauf sind automatisiert
79 Prozent der Unternehmen haben Nachhaltigkeitskriterien in Ausschreibungen verankert
In der Energiebranche gewinnt der strategische Einkauf zunehmend an Bedeutung, besonders dort, wo Investitionen unter spürbarem Zeit- und Kostendruck umgesetzt werden müssen. 57 Prozent der Energieversorger investieren zum größten Teil in den Ausbau der Netzinfrastruktur. Das zeigt die Studie „Der Einkauf als Enabler der Energiewende“ von Horváth. Knapp die Hälfte der befragten Unternehmen erwartet dabei eine Kostensteigerung von bis zu zehn Prozent, vor allem in den Bereichen Elektro-, Netz- und Automatisierungstechnik.
Gleichzeitig rechnet die Mehrheit der Unternehmen mit Kapazitätsengpässen bei den Lieferanten. Auch der Mangel an qualifizierten Zulieferern sowie lange Genehmigungsprozesse erschweren die Umsetzung großer Investitionsprogramme.
Vor diesem Hintergrund wird der Einkauf zur Schlüsselfunktion im Unternehmen. 76 Prozent der befragten Einkaufsverantwortlichen nennen das Warengruppenmanagement als Top-Priorität im Procurement, um Effizienzpotenziale zu heben. Für 72 Prozent ist dort die konsequente Kostenoptimierung die zentrale Stellschraube. Dadurch verändert sich die Rolle der Einkäufer innerhalb der Organisation: Ihre Aufgabe besteht nicht mehr nur in der Beschaffung. Mehr als die Hälfte der Befragten sieht im Procurement einen wichtigen Business-Partner, der frühzeitig in Bedarfs- und Investitionsentscheidungen eingebunden wird. Rund ein Viertel hält die Abteilung bereits für einen strategischen Business-Partner, der die Unternehmens- und Investitionsstrategien aktiv mitgestaltet.
„Der Einkauf sitzt in Energieunternehmen immer häufiger bei unternehmerischen Kernentscheidungen mit am Tisch. Ausschlaggebend ist nicht mehr nur, ob die Beschaffung funktioniert, sondern ob die Abteilung dazu beiträgt, Investitionen realistisch planbar und in der Umsetzung beherrschbar zu machen“, erklärt Sven Auert, Partner bei Horváth.
Automatisierung prägt den Reifegrad im Einkauf
Vor allem mittlere und größere Unternehmen legen ihren Schwerpunkt zunehmend auf den strategischen Einkauf. Etwa die Hälfte der Mitarbeitenden ist dort mit Warengruppenmanagement, Ausschreibungen und Verhandlungen beschäftigt. Bei kleineren Unternehmen herrscht dagegen noch ein eher ausgeglichenes Verhältnis zwischen strategischem und operativem Einkauf.
Die Ergebnisse der Studie zeigen zudem, wie unterschiedlich der Einkauf derzeit bei der Nutzung digitaler Lösungen aufgestellt ist. Während 67 Prozent der kleineren Unternehmen weniger als 20 Prozent ihrer Bestellungen automatisieren, erreichen 77 Prozent der größeren Unternehmen einen Automatisierungsgrad von mindestens 60 Prozent. Dabei wird vor allem der operative Bestellprozess durch IT unterstützt, während im strategischen Warengruppenmanagement deutlich weniger digitale Lösungen zum Einsatz kommen.
Nachhaltigkeit meist nur strategisch verankert
Auch bei den Nachhaltigkeitszielen zeigt sich im Einkauf ein uneinheitliches Bild: So haben 79 Prozent der Unternehmen Nachhaltigkeitskriterien in ihren Ausschreibungen und Verträgen verankert. Nur ein Viertel überwacht allerdings deren Einhaltung mit Hilfe von KPIs. Vor allem die Reduktion von CO2-Emissionen in der Lieferkette und die Integration sozialer Standards werden selten mit KPIs gesteuert.
„Die aktive Rückverfolgung der Nachhaltigkeitsziele wird durch eine Umsetzungslücke erschwert: In Sachen Nachhaltigkeit sind zwar die Anforderungen gesetzt, doch in der Steuerung und im Tagesgeschäft sind viele Organisationen noch nicht so weit, wie es die Zielsetzung verlangt. Ähnlich uneinheitlich ist das Bild bei anderen strategischen Prozessen. Nur bei der Digitalisierung sehen wir in vielen Unternehmen gute Fortschritte im operativen Einkauf“, ordnet Horváth-Experte Auert ein.
Über die Studie
Für die Benchmark-Studie „Einkauf bei Energieversorgern 2025/2026“ analysierte Horváth Einkaufsfunktionen in der Energiewirtschaft auf Basis persönlicher Interviews mit Einkaufsleitern sowie Online-Befragungen von Einkaufsverantwortlichen. Im Fokus der Untersuchung standen die Themen Organisation, Produktivität, CAPEX, Digitalisierung und Nachhaltigkeit.
An der Studie nahmen 31 Energieversorger teil. Die Studienteilnehmer kommen überwiegend aus Deutschland, außerdem aus Österreich, der Schweiz, Schweden und Finnland. Die Stichprobe umfasst kleinere, mittlere und größere Unternehmen. Zwei Studienteilnehmer nahmen anonym teil.
Die befragten Unternehmen repräsentieren zusammen einen Gesamtumsatz von 210 Milliarden Euro, ein gesamtes Einkaufsvolumen von 24,7 Milliarden Euro, 1.656 Einkäufer und 65.131 aktive Lieferanten.
Über Horváth und weitere Initiativen
Horváth ist eine internationale, unabhängige Managementberatung mit 1.400 Mitarbeitenden an Standorten in Europa, den USA und weiteren globalen Märkten. Als Top-Management-Beratung für Transformation, Performance Management und Digitalisierung führen wir Unternehmen und öffentliche Organisationen zu nachhaltigem Erfolg und langfristig hoher Wertschöpfung. Horváth zeichnet sich durch fundierte, innovative Beratungsansätze und Lösungen aus – basierend auf unseren Wurzeln und Werten, geprägt durch unseren Gründer Professor Péter Horváth. Kunden und Kundinnen, von Vorstands- bis Fachebene, schätzen in besonderem Maße die ausgeprägte Fachexpertise, die Implementierungsstärke sowie die vertrauensvolle Zusammenarbeit. Für die hohe Zufriedenheit mit den erreichten Projektergebnissen ist Horváth vielfach ausgezeichnet.
Sustainergize ist eine von Horváth koordinierte Brancheninitiative führender Energieversorger (u. a. MVV, RWE, Uniper und SachsenEnergie), die auf Basis eines gemeinsamen Memorandum of Understanding die Weiterentwicklung des Einkaufs hin zu mehr Resilienz und Zukunftsfähigkeit vorantreibt. Im Fokus stehen die gemeinsame Entwicklung und Operationalisierung von Ansätzen für Lieferantenrisikomanagement, den Einsatz von Tools und KI sowie die Etablierung praxistauglicher Standards im Einkauf. Ziel ist es, durch unternehmensübergreifende Zusammenarbeit konkrete, umsetzbare Lösungen zu entwickeln und nachhaltig in den Beschaffungsorganisationen zu verankern.
