Persönliches Engagement

Regina in Ruanda – Teil II

Unsere Kollegin Regina hat im letzten Jahr ihr Horváth-Know-how genutzt und dabei unterstützt, das genossenschaftliche Bankensystem in Ruanda zu professionalisieren. Seit Januar ist sie wieder zurück bei uns, doch mit dem Herzen nach wie vor in Afrika. So ist sie nicht nur immer wieder vor Ort, sondern hat auch eine Spendenaktion organisiert und dabei über 550 Familien zum Strahlen gebracht.

Remote Work

Dank der schnellen Glasfaserverbindung ist das Arbeiten remote einwandfrei möglich. Das Paradoxe dabei ist, dass der Großteil unserer Nachbarn kein fließendes Wasser hat und jeden Morgen an den Brunnen läuft, wir jedoch den Vorteil einer schnellen Internetverbindung genießen.  

Dank der Hintergrundauswahlmöglichkeiten in Teams kann ich einen neutralen Hintergrund auswählen und man merkt nicht, dass ich auf der Terrasse vor den Palmen sitze. 

Spendenaktion

Über WhatsApp hatten wir unseren Freunden und Familien von einer Idee berichtet, Familien und Kindern aus armen Verhältnissen eine kleine Freude zu bereiten: Für die gesamte Familie eine Krankenversicherung und für die Kinder einen Rucksack mit Kleidung, Schuhen und einem Spielzeug. Die Spendenbereitschaft war so groß, dass wir innerhalb kurzer Zeit mehr als 6.000 Euro gesammelt haben. Damit konnten wir über 550 Familien mit einer einjährigen Krankenversicherung und Geschenken für die Kinder überraschen. Die Organisation stellte uns vor einige Herausforderungen – mehr als 550 Paar Schuhe, Rucksäcke und Kleidung zu organisieren und zu verpacken bedurfte einem guten Verhandlungsgeschick und vieler helfender Hände. Allein fürs Verpacken brauchten wir 1,5 Tage und unser Auto reichte bei Weitem nicht zum Transport. Da hieß es zwei Minibusse zum Transport in die 130km entfernte ländliche Gemeinde zu organisieren. Dort empfing man uns mit traditionellem Tanz und Gesang und es brach großer Jubel aus, als wir zeigten, was wir mitgebracht haben. Einige Eltern weinten vor Glück über die Geschenke. Als wir in die Augen der glücklichen Kinder und Eltern sahen, wussten wir, dass der ganze Aufwand sich gelohnt hat. 

Erkundungstouren

Das Fahrrad ist eine gute Möglichkeit, das Land zu erkunden. Mehr als 3000km auf dem Rad waren wir im Jahr 2021 in Ruanda unterwegs – von der Hauptstadt bis in die abgelegenen Orte des Landes. Wo auch immer wir unterwegs waren, wurden wir von Kindern begrüßt (leider auch viel zu oft nach Geld gefragt) und begleitet – sei es zu Fuß (die Kids waren so gut zu Fuß unterwegs, dass ich immer wieder erstaunt war, wie man ohne Schuhe oder mit zerschlissenen Flipflops so schnell sein kann) oder auch gerne mal mit einem selbstgebauten Rad, welches mit Stolz präsentiert wurde. 

Wundervolle Landschaft

Ruanda wird auch das Land der 1000 Hügel genannt. Nicht umsonst, denn einen flachen Kilometer zu finden ist schon schwer. Anders als man es von einem afrikanischen Land erwarten würde, ist Ruanda sehr grün. Das liegt daran, dass es auf einer Höhe zwischen 1000 und 4000m liegt und damit gemäßigte Temperaturen hat. Die Regenzeit zweimal im Jahr führt jedoch auch regelmäßig dazu, dass ganze Straßenabschnitte weggespült werden und Orte teilweise über Tage nicht erreichbar sind.  

Gipfelstürmerin

Nachdem wir den höchsten Gipfel in Ruandas auf 4507m Höhe bereits erklommen haben, nahmen wir uns als nächsten den dritthöchsten in Afrika vor: Den Margherita Peak in Uganda auf 5109m. Für eine bessere Akklimatisation ging es in 3 Tagen bis auf 4000m. Am Gipfeltag lagen 1100 Höhenmeter vor uns. Schon als wir in der Nacht aufbrachen, regnete es in Strömen und irgendwann verwandelte sich der Regen in Schnee und ein heftiger Wind peitschte uns um die Ohren. Wir kletterten an vereisten Felswänden hoch und liefen in einer Seilschaft über Gletscher. Allein für die letzten 100 Höhenmeter brauchten wir fast eine Stunde. Irgendwann schafften wir es auf den Gipfel, Aussicht war Fehlanzeige und es war so kalt, dass man keine Sekunde ruhig stehen wollte. Nach mehr als 15 Stunden kamen wir komplett durchnässt und durchgefroren wieder am Camp an. Duschen war hier oben leider nicht, da half nur ein Eimer mit heißem Wasser, um zumindest die Füße wieder auftauen zu lassen. Eine Grenzerfahrung – aber stolz, den Gipfel erklommen zu haben.  

Nachhaltigkeit

Gebäude aus nachhaltigen Rohstoffen, Solaranlagen auf den Dächern und Wasseraufbereitung mit modernen Filtersystemen – diese Initiativen sieht man in den vergangenen Monaten immer häufiger im Land. Sie werden vor allem durch ausländische Sponsoren finanziert. Während auf den Straßen noch viele alte Dieselautos die Luft verpesten, werden Elektroautos von der ruandischen Regierung von einem Großteil der Steuer befreit. Es wird sicher noch Jahre dauern, bis hier ein deutlicher Wandel zu sehen ist, aber es sind Schritte in die richtige Richtung.

Digitalisierung

Digitalisierung wird in Ruanda sehr großgeschrieben. Die ruandische Regierung verpflichtet jeden Geschäftsinhaber, digitale Zahlungsmöglichkeiten anzubieten. Besonders verbreitet: Zahlung mit Mobile money über USSD Codes. Diese USSD Codes (z.B. *182*1*2#) können auch ohne Smartphone aufgerufen werden. Strom aufladen, Rechnungen bezahlen, auf dem Markt oder im Supermarket einkaufen, Schulgebühren begleichen, Bus fahren und vieles mehr kann man so sehr einfach bezahlen. Bargeld braucht man damit in Ruanda fast gar nicht mehr. Auch alle Anträge, sei es bei Eigentümerübertragung beim Autokauf, Visabeantragungen oder Strafzettelbezahlung, können ebenfalls nur noch elektronisch beantragt und bezahlt werden. Damit die Kinder schon frühzeitig an den Umgang mit Computern herangeführt werden wurde die Initiative „one laptop/tablet per child“ ins Leben gerufen.