- Mehrheit der Bundesbürger würde ohne Kirchen etwas vermissen
- Knapp ein Viertel kann sich vorstellen, christliche durch nicht-religiöse Feiertage zu ersetzen
- Rund die Hälfte lehnt eine Finanzierung durch den Staat ab
Trotz rückläufiger Mitgliederzahlen: 71 Prozent der Bevölkerung würden ohne Kirchen in Deutschland etwas vermissen. Dabei spielt es keine wesentliche Rolle, in welcher Region die Bürger leben. Christliche durch nicht-religiöse Feiertage zu ersetzen, kann sich aber fast ein Viertel der Deutschen vorstellen. Und wenn die Kirche sich engagiert, sollte sie das hauptsächlich in der sozialen und karitativen Arbeit tun. Das sind Ergebnisse einer repräsentativen Kirchenumfrage der Managementberatung Horváth.
Finanzielle Einsparungen durch den Wegfall der Kirchensteuerzahlung, aber auch Missbrauchsskandale haben in den letzten Jahren viele Deutsche zum Austritt aus der evangelischen oder katholischen Kirche bewegt. Doch eine Welt ganz ohne die christlichen Institutionen ist für viele nicht vorstellbar. Die regionale Herkunft spielt dabei keine große Rolle. Im eher säkular geprägten Osten und im Norden sagen nur unwesentlich weniger Menschen als im Süden oder in der Mitte Deutschlands, dass ihnen ohne Kirchen etwas fehlen würde (68 % Osten, 69 % Norden, 74 % Süden, 71 % Mitte). Die Kirchen werden in erster Linie als Ort der Stille und Besinnung geschätzt. Rund ein Drittel gibt an, dass ihnen so ein Ort ohne Kirchen fehlen würde. Mit ihren klassischen Angeboten wie Seelsorge, kulturellen Veranstaltungen oder Glaubensvermittlung werden hingegen immer weniger Menschen erreicht. Nur rund jeder Achte würde diese Dienste vermissen.
Christliche durch nicht-religiöse Feiertage zu ersetzen, würden aber nur 24 Prozent der Deutschen begrüßen. Dabei sind sich die Generationen allerdings uneins. 44 Prozent der Jüngeren würden den Austausch christlicher Feiertage, also z. B. ein Winterfest statt Weihnachten befürworten. Das sehen die Älteren ganz anders. Ihnen sind christliche Feiertage wie Weihnachten und Ostern heilig. Sie durch weltliche Feiertage zu ersetzen, können sich nur 16 Prozent vorstellen.
„Die Kirchen stehen heute unter enormem Druck. Einerseits wollen sie Traditionen bewahren und christliche Werte vermitteln. Andererseits müssen sie sich aber auch der neuen Lebensrealität der Menschen stellen. Viele fühlen sich von klassischen kirchlichen Angeboten nicht mehr angesprochen. Es fehlt ein Konzept, das über Momente des Rückzugs und der Besinnung hinausgeht, um wieder einen Platz im Alltag einer Mehrheit zu finden. Um eine höhere Wirkung in der Gesellschaft zu erzielen, sollten die Kirchen die Bedürfnisse ihrer Zielgruppen in den Blick nehmen.“ sagt Dr. Rainer Graf, Kirchenexperte der Managementberatung Horváth.
Nach Meinung der Bundesbürger sollten sich die Religionsgemeinschaften auf ihr soziales und karitatives Engagement konzentrieren und hierin künftig das meiste Geld investieren. Knapp ein Drittel würde dies befürworten. Dabei sind es mit 35 Prozent mehr Norddeutsche, die sich hier einen starken Einsatz der Kirchen wünschen. In Süddeutschland sprechen sich nur 28 Prozent dafür aus. Fokussiert werden sollte auch der Bereich Bildung und Erziehung. 22 Prozent wünschen sich, dass ein erheblicher Teil des kirchlichen Vermögens für Schulen, Kindergärten und Erwachsenenbildung ausgegeben wird.
Keine Finanzierung durch den Staat
Seit 1919 verlangt die deutsche Verfassung, dass die Zahlungen des Staats an die Kirche beendet werden sollen. Diese Regelung wurde allerdings bis heute nicht umgesetzt. 2024 sind hier über 600 Mio. Euro Steuergelder geflossen. Die Kirchen auch weiterhin mit Staatleistungen zu unterstützen, lehnt knapp die Hälfte der Bevölkerung ab. Rund jeder Dritte findet das aber nach wie vor gut und richtig.
Über die Studie
Für die Umfrage zum Thema Kirche hat das Marktforschungsinstitut Toluna im November 2025 im Auftrag der Managementberatung Horváth 1.000 Bundesbürger online befragt. Die Ergebnisse sind repräsentativ nach Geschlecht, Alter und Region.
