- Mehrheit der Versicherten findet Krankenkassenbeitrag nicht fair
- Sorge vor allem um Verfügbarkeit von Kliniken in Wohnortnähe
- Elektronische Patientenakte hat mehr Gegner als Anhänger
Drei Viertel der gesetzlich Versicherten sind mit der Gesundheitsversorgung in Deutschland grundsätzlich zufrieden: Sie bekommen rechtzeitig einen Termin und bezeichnen die Wartezeiten beim Arzt als akzeptabel. Jedoch zweifelt eine Mehrheit daran, dass dieses Niveau gehalten werden kann: Weniger als ein Fünftel der Befragten trauen der Politik zu, die drängenden Probleme im Gesundheitssystem – allen voran die Kostensteigerungen – lösen zu können (18,9%). Dies sind Ergebnisse einer aktuellen repräsentativen Horváth-Studie unter mehr als 1.400 Versicherten.
„Die gesetzlich Versicherten erwarten eine Reform des Gesundheitssystems von der Bundesregierung“, sagt Simon Arne Manner, Partner bei Horváth. „Was nach den Studienergebnissen offenbar fehlt, ist ein Plan, der überzeugt und Vertrauen schafft.“
So empfindet der Studie zufolge bereits jetzt weniger als die Hälfte der gesetzlich Versicherten den Beitrag, den sie persönlich für ihre Gesundheitsversorgung zahlen, als fair (49,2%). Stetig steigende Zusatzbeiträge führen offensichtlich zu wachsender Unzufriedenheit beim „Preis-Leistungsverhältnis“ in der Gesundheitsversorgung.
Sechs von zehn Befragten halten eine Bürgerversicherung für eine Lösung, um das Gesundheitssystem und die Beiträge zu stabilisieren. Sieben von zehn wären dafür bereit, das von der Koalition angestrebte Primärarztsystem zu akzeptieren. 40 Prozent würden sogar komplett auf ihr Arztwahlrecht verzichten und beispielsweise konkrete Behandler zugewiesen bekommen. Leistungskürzungen für stabile oder sinkende Beiträge haben dagegen wenig Rückenwind. Nur etwa 30 Prozent würden diese akzeptieren.
Wohnortnähe bei Klinikwahl wichtiger als der medizinische Ruf
Mehr als die Hälfte der Bevölkerung sorgt sich auch um die Verfügbarkeit von Kliniken in der Nähe des Wohnorts. Erreichbarkeit ist für die Mehrheit der Befragten das wichtigste Kriterium bei der Wahl eines Krankenhauses (56%), bei den über 45-Jährigen sogar für knapp 60 Prozent. Medizinische Kriterien wie die Empfehlung eines Arztes oder die Reputation der Klinik haben demgegenüber nur für 40 beziehungsweise für 37 Prozent der Befragten eine herausgehobene Bedeutung. Dabei gibt es auch hier einen deutlichen Unterschied zwischen den Generationen. Die Jüngeren informieren sich eher online oder folgen einer privaten Empfehlung, die Älteren vertrauen stärker ihrem Arzt oder dem Ruf der Klinik. Der Bundesklinikatlas ist jedoch weitgehend irrelevant. Nur knapp sechs Prozent der Befragten nutzen ihn für die Wahl einer Klinik.
Elektronische Patientenakte: Zwei Drittel haben sich noch immer nicht damit beschäftigt
Die im April 2025 eingeführte elektronische Patientenakte (EPA) hat aktuell noch mehr Gegner als Nutzer, wie die Studie weiter zeigt. Während 11,8 Prozent der gesetzlich Versicherten sie nach eigenen Angaben aktiv nutzen, haben 13,4 Prozent Widerspruch dagegen eingelegt. Fast zwei Drittel haben sich mit der EPA allerdings noch gar nicht beschäftigt, ein weiteres Achtel nur wenig, etwa mit einem flüchtigen Blick.
Vorteile von der EPA versprechen sich vor allem die Jüngeren. Mehr als neun von zehn haben eine positive Einstellung, knapp ein Drittel allerdings mit Datenschutzbedenken. Die niedrigste Akzeptanz hat die EPA bei den Generationen 45+. Ein Viertel dieser Altersgruppe sieht keinerlei Vorteile. Neun Prozent sind nicht bereit, Daten zur Verfügung zu stellen.
Über die Studie
Für die vorliegende Studie hat die Managementberatung Horváth über 1.400 gesetzlich Versicherte mit Wohnsitz in Deutschland online befragt. Die Ergebnisse sind repräsentativ für Geschlecht, Alter und Region.
