Horváth-Studie: Personalthemen überschwemmen die Managementagenda – Vorstandssitzungen sind immer stärker von personalbezogenen Diskussionen geprägt

  • Liste drängender Handlungsfelder wird immer länger
  • Personalthemen machen zeitlich bereits mehr als 40 Prozent der Vorstandsmeetings aus
  • Riesiges Gap zwischen Handlungsdruck und Umsetzung

Egal welche Branche, egal welche Unternehmensgröße, egal welcher Bereich – Führungskräfte schlagen geschlossen Alarm: Im Themenfeld Personal haben sich laut einer aktuellen Horváth-Studie in den vergangenen Jahren derart viele Handlungsfelder und Themen aufgestaut, dass die Unternehmen mit Lösungen meilenweit hinterherhinken. Von 14 abgefragten personalbezogenen Handlungsfeldern, für die ursprünglich eine aussagekräftige Prioritätenreihenfolge ermittelt werden sollte, wurden alle von mindestens 85 Prozent der Befragten als dringend bewertet. „Von diesem Ergebnis waren wir selbst sehr überrascht, da wir ja nicht nur Topführungskräfte aus dem Bereich HR befragt haben, sondern funktionsübergreifend“, sagt Heiko Fink, Partner und Transformationsexperte bei der Managementberatung Horváth. „Wahrscheinlich hätten wir die Liste der Themen sogar noch verlängern können und die Priorität wäre nicht gesunken.“

Personalthemen füllen zunehmend Board-Meetings

Ebenso erstaunlich ist das Ergebnis, dass Vorstandssitzungen in der Mehrheit der Unternehmen bereits zu mehr als 40 Prozent von Personalthemen ausgefüllt werden. „Die so genannten ‚People-related topics‘ sind auf der C-Level-Agenda ganz oben angekommen“, so Fink. Doch was sind ganz konkret die Themen, die die Vorstände umtreiben? Angeführt wird die Liste von komplexen, vielschichtigen Handlungsfeldern. Die Verbesserung und Vermittlung der Unternehmenskultur sowie die Optimierung der Arbeitgeberattraktivität wird von etwa 90 Prozent der Befragten als Thema mit hoher oder sehr hoher Priorität angegeben. Auch die Herausforderung, Personalthemen organisatorisch besser zur verankern, halten neun von zehn Führungskräfte für drängend. „Die strategische Komponente ,People‘ lässt sich – wie Nachhaltigkeit oder Digitalisierung – nur organisationsübergreifend lösen“, so Horváth-Experte Heiko Fink.

Gerade einmal jedes dritte Unternehmen arbeitet an Lösungen

Angesichts dieser Aussichten scheinen viele Unternehmen in Schockstarre zu verfallen. Denn im Durchschnitt hat gerade einmal eins von drei Unternehmen in den abgefragten Handlungsfeldern überhaupt gerade Projekte zur Erarbeitung von Lösungen laufen. In keinem einzigen Handlungsfeld erreicht die Umsetzungsquote 40 Prozent. Selbst die Vorstandsmitglieder beklagen, dass ihr Unternehmen in Personalthemen zu wenig investiert (77 Prozent). „Die Studie offenbart, dass große Unsicherheit darüber besteht, wie sich das Megathema ,People‘ zerlegen, priorisieren und systematisch umsetzen lässt“, erklärt Horváth-Experte Heiko Fink.

Über die Studie

Im dritten Quartal 2023 befragte die Managementberatung Horváth branchenübergreifend Entscheider:innen aus Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehrheitlich mindestens 500 Millionen Euro. Die selektierten Personen bilden einen Querschnitt über die Führungsebenen C-Level bis Teamleitung. Die Vorstandsebene macht etwa 30 Prozent aus, zwei Drittel gehören mindestens der Bereichsleitung an. Die Befragungsgruppe wurde branchenübergreifend zusammengestellt und besteht jeweils zur Hälfte aus Industrie- und Dienstleistungsunternehmen. Das Panel umfasst insgesamt 170 Entscheider:innen, aus der DACH-Region sowie aus den USA, die aussagefähig zu Personalthemen in ihrem Unternehmen sind.