CFOs ächzen unter globalen Risiken, Investitions- und Digitalisierungsstau

  • Anteil der CFOs, die optimistische Entwicklung voraussehen, hat sich im Vergleich zum Vorjahr mehr als halbiert
  • US-Wirtschaftspolitik wird weiter als Risiko für die Unternehmensentwicklung gesehen
  • In sechs von zehn Unternehmen werden Investitionen verschoben oder stark selektiert vorgenommen

Die Stimmung unter den Finanzverantwortlichen in den Unternehmen verdüstert sich. Vier von zehn CFOs gehen davon aus, dass sich die ökonomischen Rahmenbedingungen weiter verschlechtern, so eine Studie der Managementberatung Horváth. Nur noch 14 Prozent der CFOs prognostizieren eine positive Unternehmensentwicklung, im Vorjahr waren es noch ein Drittel. Gewachsen sind die Gruppen derjenigen, die von Stagnation ausgehen (+12%) oder sogar eine negative Entwicklung voraussehen (+7%). 

„Makroökonomische Faktoren wie die US-Wirtschafts- und Zollpolitik und die geopolitischen Spannungen erhöhen die finanzwirtschaftlichen Risiken. Um diese abzufedern, muss in Digitalisierung/KI und Transformation investiert werden – doch der Handlungsspielraum ist begrenzt. Der Investitionsstau wirkt sich aus, der Fachkräftemangel spitzt sich zu, Investorenerwartungen setzen die Abteilungen unter Druck“, sagt Achim Wenning, Studienleiter und Partner der Managementberatung Horváth. Befragt wurden für die Studie mehr als 240 internationale Top Manager in den Finanzbereichen von Unternehmen unterschiedlichster Branchen.

Als Gründe für ihren Pessimismus nennen die Befragten am häufigsten den gestiegenen globalen Wettbewerbsdruck (59 Prozent). Es folgen Bürokratie (49 Prozent), Energiepreise (41 Prozent), Inflation (36 Prozent) und Zölle (35 Prozent). Nachhaltigkeitsthemen wie Klima- und Umweltschutzvorschriften sind anders als im Vorjahr nicht mehr Teil der Top-10-Faktoren mit negativen Einflüssen.

Die Auswirkungen der US-Politik wurden in der diesjährigen Studie auch noch einmal konkreter beleuchtet. Mehr als die Hälfte der CFOs bewertet die Wirtschaftspolitik der Trump-Regierung nach wie vor als Risiko (55 Prozent). Lediglich jeder Zehnte sieht in den veränderten Bedingungen eine Chance (10 Prozent). Die schwerwiegendsten negativen Auswirkungen haben für jeweils rund drei Viertel der Finanzverantwortlichen die unvorhersehbare und wechselhafte Zollpolitik, Änderungen internationaler Handelsabkommen und Gefahren für Lieferketten. Der Rückzug der USA aus der Klimapolitik, der Förderung von Verschiedenheit (DEI) und aus Entwicklungshilfeprogrammen spielt dagegen kaum eine Rolle.

Investitionen fließen, wenn überhaupt in Digitalisierung und KI-Lösungen
Auf die trüben Aussichten reagiert die Mehrheit der befragten Unternehmen, indem sie Investitionen aufschieben oder nur noch strategische Investitionen fortführen (59 Prozent). An der Spitze der Prioritätenliste für Investitionen stehen Digitalisierung und Automatisierung (29 Prozent) sowie Transformationen (19 Prozent). Mit jeweils neun Prozent folgen die Stärkung der Lieferketten, Expansion ins Ausland und Unternehmenskäufe. Investoren und die eigene Geschäftsführung üben in Bezug auf Risikomanagement den stärksten Druck auf die Finanzabteilungen aus (jeweils 30 Prozent), gefolgt von Kunden (18 Prozent), dem Aufsichtsrat (15 Prozent), dem Staat (14 Prozent) und den Mitarbeitenden am Schluss (8 Prozent).

Personalentwicklung weit oben auf der Agenda
Die Agenda der Finanzverantwortlichen ist im Vergleich zum Vorjahr nicht kürzer geworden. Wichtigste strategische Aufgabe ist für 87 Prozent der Befragten die Harmonisierung, Standardisierung und Optimierung finanzieller Prozesse. Bereits an zweiter Stelle steht mit 84 Prozent die Entwicklung von Mitarbeitenden und neuen Fähigkeiten. Bei 73 Prozent stehen eine Beschleunigung der Digitalisierung sowie die Optimierung der Planungs-, Reporting- und Forecast-Kompetenzen auf dem Plan. Die größten Hindernisse auf diesem Weg für fast jeden fünften CFO eine Abwehrhaltung im Konzern gegenüber Veränderungen und „Silo-Denken“.

Über die Studie
Für die Studie „Control Meets Complexity – CFO Priorities in an Era of Economic Turbulence“ befragte die Managementberatung Horváth mehr als 240 Finanzverantwortliche von Unternehmen aus 22 Ländern. Die Mehrheit der befragten Firmen (83 Prozent) erwirtschaftet einen jährlichen Umsatz von 100 Millionen bis 1 Milliarde Euro.