89 Prozent der deutschen Industrieunternehmen setzen auf Restrukturierung

  • Rund die Hälfte der Betriebe lässt sich beraten
  • KI und Automation sind die meistgenutzten Hebel

Neun von zehn Unternehmen aus der produzierenden Industrie in Deutschland befinden sich derzeit in Restrukturierungs- bzw. Transformationsprozessen oder bereiten diese vor: 46 Prozent haben bereits ein Programm gestartet und planen dieses Jahr mindestens ein weiteres, 28,5 Prozent sind aktuell in der Planung, 14,5 Prozent in der Umsetzung eines Programms. Das ergab eine Umfrage im Auftrag der Managementberatung Horváth. „Mehr als 40 Prozent der Großunternehmen sind bereits im Umbruch, jetzt zieht der Mittelstand nach“, sagt Patrick Heurich, Studienleiter und Partner bei Horváth. „Das zeigt, wie tiefgreifend der Transformationsdruck mittlerweile in der Breite der Wirtschaft angekommen ist.“

Jedes zweite Unternehmen nimmt Beratung in Anspruch

Die Umsetzung der Restrukturierungs- bzw. Transformationsprogramme erfolgt dabei auch mit externer Unterstützung: Rund die Hälfte der restrukturierenden Unternehmen hat eine Beratung eingebunden, rund ein Viertel koordiniert das Programm durch einen Interim Chief Restructuring Officer (CRO). Nur 28 Prozent setzen ausschließlich auf interne Kräfte. „Viele Organisationen verfügen intern nicht über die Strukturen oder Kapazitäten, um umfassende Transformationen umzusetzen – und holen sich daher gezielt externe Unterstützung“, erläutert Restrukturierungsexperte Heurich von Horváth. „Interim-CROs werden häufig dann eingesetzt, wenn neben operativen Veränderungen auch grundlegende strategische Neuausrichtungen anstehen.“

Oft mangelt es an Kapazität und Kompetenz bei der Umsetzung

Zu den größten Hindernissen bei Restrukturierungen zählen die Befragten vor allem fehlende Strukturen oder Kompetenzen für die Umsetzung (30 Prozent). Fast ebenso häufig werden eine falsche Methodik oder Vorgehensweise (29 Prozent) sowie eine unzureichende Kommunikation des Veränderungsbedarfs (28 Prozent) genannt. Darüber hinaus sieht rund ein Viertel der Unternehmen Defizite bei der Einbindung von Fachleuten oder Mitarbeitenden sowie bei der Qualität der Ergebnisse bzw. Maßnahmen.

Transformation: KI und Prozessautomation sind die meistgenutzten Hebel

Die am häufigsten eingesetzten Maßnahmen zur Restrukturierung bzw. Transformation sind technologiegetrieben: 61 Prozent der Unternehmen setzen auf den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI), 49 Prozent auf die Automatisierung von Produktionsprozessen und 42 Prozent auf die Automatisierung von Verwaltungsprozessen. Klassische Hebel wie Preisanpassungen, Outsourcing oder die Reduktion von Komplexität (je 29 Prozent) folgen mit deutlichem Abstand. Eine strategische Portfoliobereinigung nehmen nur 27 Prozent vor. „Die Programme zielen vor allem auf Einsparungen und Produktivitätssteigerung ab. Nicht einmal drei von zehn Unternehmen setzen auf eine Portfoliobereinigung – dieser Anteil sollte deutlich höher sein“, sagt Heurich. Restrukturierungen sind nur dann nachhaltig, wenn sie neben der Verbesserung der Kostenposition und Liquidität auch strategische Aspekte berücksichtigen.

 

Über die Studie

Für die Horváth-Studie wurden 200 Top-Führungskräfte aus der produzierenden Industrie mit mindestens 200 Millionen Euro Umsatz und 200 Mitarbeitenden befragt. Der Fokus lag auf Unternehmen mit Hauptsitz in Deutschland. Die Befragung wurde Ende des ersten Quartals 2025 durchgeführt.

 

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