Digitale Kanäle und ein besseres Kundenerlebnis sollen den Umsatz treiben
Daten und Datensicherheit sind Hürden bei der KI-Skalierung
IT-Kosten wachsen stärker als Personalkosten, Profitabilität ist im Fokus
Finanzdienstleister treiben KI auf zwei Ebenen voran: als Wachstumshebel im Kundengeschäft und als Effizienzhebel im Personalbereich. 67 Prozent der Vorstände und Geschäftsführer sehen im Kundenerlebnis und in digitalen Kanälen wie Apps den größten Effekt auf den Umsatz. Mehr als die Hälfte von ihnen erwartet, dass sich der Personalbedarf durch KI und Automatisierung bis 2029 um 30 Prozent reduziert. Das sind Ergebnisse der Studie „Banken und Finanzdienstleister 2026“ von Horváth.
Gleichzeitig haben Finanzdienstleister im Bereich Kundenkommunikation und Services einen großen Sprung innerhalb der vergangenen 12 Monate gemacht: Nur 12 Prozent der Unternehmen haben noch nicht mit der KI-Implementierung in diesem Bereich begonnen (2025: 24 Prozent). Dennoch haben nach wie vor nur wenige Unternehmen in der Branche KI bereits skaliert oder voll integriert.
Als größte Hürde bei der Skalierung von KI sieht die Branche die mangelnde Datenbasis, gefolgt von Datensicherheit. „Eine sauber aufbereitete Datenbasis und der Schutz hochsensibler Kundendaten sind die Voraussetzung, um KI-Anwendungen im regulierten Bankgeschäft verantwortungsvoll einsetzen zu können. Der Wettbewerb durch Fintechs verlangt Tempo, der Umgang mit Kundendaten Sorgfalt. Banken und Finanzinstitute lösen dieses Spannungsfeld bislang zugunsten der Sorgfalt auf“, sagt Frank Schindera, Partner bei Horváth.
Technologie statt zusätzlichen Personals
Dementsprechend hat die Branche ihre Prioritäten gesetzt. Sie investiert eher in Technik als in neue Mitarbeiter. Die IT-Kosten legten um 5,5 Prozent zu und damit fast dreimal so stark wie die Personalkosten, die 2026 nur um zwei Prozent über dem Jahr 2025 lagen. Die Mitarbeiterzahl stieg mit 1,2 Prozent nur sehr langsam an. Zum Vergleich: Von 2024 auf 2025 legte die Mitarbeiterzahl noch um 1,7 Prozent zu. „Banken wollen künftig eher durch die Skalierung von Technologie und Automatisierung wachsen und weniger über Personal.“, ordnet Frank Schindera die Entwicklung ein. KI-Agenten könnten künftig die Arbeit in vielen Bereichen übernehmen.
Beim tatsächlichen Stellenabbau nennen 56 Prozent der Unternehmen deshalb auch die strategische Neuausrichtung als Grund. 31 Prozent der Finanzdienstleister sind der Meinung, dass bestehende Fähigkeiten ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht mehr zu den sich wandelnden Geschäftsanforderungen passen. Dagegen berufen sich nur 25 Prozent der Unternehmen beim Stellenabbau auf zu hohe Lohnkosten. In den übrigen Branchen liegt dieser Anteil bei 67 Prozent. „Die Gewinner der kommenden Jahre werden nicht diejenigen Institute sein, die am meisten Technologie einkaufen. Erfolgreich sind diejenigen Banken, die Technologie, Daten und Prozesse so verbinden, dass daraus ein spürbar besseres Kundenerlebnis und eine höhere operative Leistungsfähigkeit entstehen“, sagt Frank Schindera.
Über die Studie
Für die Horváth-Studie „Banken und Finanzdienstleister 2026“ wurde eine repräsentative Auswahl an Vorstands- und Geschäftsführungsmitgliedern aus Kreditinstituten und weiteren Finanzdienstleistern befragt. Die Stichprobe umfasst mehr als 118 Befragte, mit denen persönliche Tiefeninterviews geführt wurden. Diese fanden im Rahmen der großangelegten internationalen Horváth-Studie „CxO Priorities Studie“ statt, für die insgesamt über 1.000 Topmanagerinnen und -manager branchenübergreifend befragt wurden.
