Horváth-Studie: Maschinenbauer sparen weiterhin Kosten – und finden neue Wachstumshebel

  • Historisch gewachsenes Produktportfolio behindert die Profitabilität 

  • In den nächsten fünf Jahren soll Physical AI zum Schlüsselfaktor werden

  • CxOs rechnen mit dem Wegfall von über 37.000 Arbeitsplätzen in Deutschland
     

Effizienz und Kostensenkungen haben aufgrund des Profitabilitätsdrucks nach wie vor die höchste strategische Priorität im Maschinenbau. Doch die Mehrzahl der Top-Entscheider erkennt, dass Sparen allein nicht mehr ausreicht, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Ein komplexes Produktportfolio und zu viel Bürokratie behindern derzeit Profitabilität und Geschwindigkeit vieler Unternehmen. Die Branche setzt auf „Physical AI“ als neuen Wachstumstreiber. Das sind Ergebnisse der Studie „Machinery & Industrial Automation 2026“ von Horváth.

Trotz erheblicher Restrukturierungsmaßnahmen in den vergangenen Jahren steht die Maschinenbaubranche weiterhin unter wirtschaftlichem Druck. Rund 60 Prozent der befragten CxOs betrachten das historisch gewachsene Produktportfolio als größte Herausforderung für die Profitabilität im Unternehmen, noch vor den Lohnkosten. 86 Prozent der Befragten halten die Unternehmen der Branche für strukturell überorganisiert, sodass sie mit den heutigen Anforderungen an Geschwindigkeit und Marge nicht Schritt halten können. 

Künftig besteht die Herausforderung nicht mehr nur darin, schlank aufgestellt zu sein, sondern strukturell wettbewerbsfähiger zu werden. „Deutsche Maschinenbauunternehmen sind sehr gut darin geworden, Abschwünge zu managen. Die Frage ist jetzt, ob sie ebenso gut darauf vorbereitet sind, den nächsten Aufschwung zu nutzen“, sagt Daniel Kittelberger, Principal und Leiter der Industry Business Unit Machinery and Industrial Automation bei Horváth. „Etablierte Unternehmen für Maschinenbau- und Industrieautomatisierung müssen jetzt Portfolios, Organisationen und Wertschöpfungsketten vereinfachen, um Produktivität, Geschwindigkeit und profitables Wachstum freizusetzen.“ 

 

Physical AI als disruptive Kraft

Im Bereich KI und digitale Transformation sieht die Branche neben Kosteneinsparungen einen weiteren Wachstumshebel. Dabei rückt die Frage, wie sich die Technologie skalieren lässt, zunehmend in den Vordergrund. 48 Prozent der Unternehmen haben KI bereits in ihre operativen Prozesse implementiert, ein Anstieg um elf Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr. Allerdings stellen schlechte Datenqualität, fehlende Prozessintegration und mangelnde Skills der Mitarbeitenden Hürden bei einer unternehmensweiten Einbettung dar. „KI deckt jahrelange Transformationsschulden in den Unternehmen auf – von fragmentierten Daten und Prozessen bis hin zu Governance und organisatorischen Kompetenzen“, sagt Kittelberger.

Die nächste Herausforderung zeichnet sich bereits ab. Während Unternehmen in den vergangenen Jahren im Wettbewerb um vernetzte Maschinen konkurrierten, wird es künftig darum gehen, Maschinen autonom zu machen. 92 Prozent der CxOs erwarten, dass KI, die direkt in Maschinen, Robotik und Automatisierungssysteme eingebettet ist („Physical AI“), den Wettbewerbsvorteil in der Branche in den nächsten fünf Jahren grundlegend verändern wird. Unternehmen können Physical AI nutzen, um ihre eigene Produktivität zu steigern und sie gleichzeitig in die Produkte und Automatisierungslösungen einzubauen, die sie auf den Markt bringen. Digitale Zwillinge und vernetzte Plattformen werden dagegen mehrheitlich als Grundvoraussetzung in der Branche betrachtet, nicht länger als Differenzierungsmerkmal.

Vor allem im Hinblick auf die chinesische Konkurrenz wird es entscheidend sein, Technologie schneller in Kundennutzen zu übersetzen. Denn 89 Prozent der Befragten sehen China nicht mehr nur als kostengetriebenen Wettbewerber, sondern als strukturelle Bedrohung in Schlüsseltechnologien. „Westliche Unternehmen konkurrieren nicht mehr allein über niedrigere Kosten, sondern über schnellere Lern-, Innovations- und Adaptionszyklen", ordnet Horváth-Principal Daniel Kittelberger den bevorstehenden Paradigmenwechsel ein. 

 

Wandel in der globalen Organisation 

Gleichzeitig verändert sich die Organisationsstruktur der Unternehmen erheblich. Die Branche rechnet in diesem Jahr mit dem Wegfall von 37.300 Arbeitsplätze in Deutschland. Künftige Neueinstellungen und der Ausbau von Fähigkeiten sollen vor allem in Indien, China und Nordamerika erfolgen. Dennoch fließen in diesem Jahr 37 Prozent der Investitionsausgaben nach Deutschland (2025: 32 Prozent), da die Branche hierzulande das Rückgrat für Engineering und Forschung sieht. „Der erwartete Rückgang von rund 37.000 Arbeitsplätzen in Deutschland ist kein Anzeichen für einen industriellen Niedergang. Er spiegelt den strukturellen Wandel wider, wie Maschinenbauunternehmen ihre Wertschöpfung weltweit organisieren. Künftiges Wachstum wird zunehmend dort stattfinden, wo sich Märkte entwickeln und Talente gewonnen werden“, erklärt Horváth-Experte Daniel Kittelberger. 

 

Über die Studie

Für die Horváth-Studie „Machinery & Industrial Automation 2026“ wurde eine repräsentative Auswahl an Vorstandsmitgliedern und Geschäftsführern überwiegend aus Deutschland befragt. Die Stichprobe umfasst 127 Befragte, mit denen persönliche Tiefeninterviews durchgeführt wurden. Diese Interviews fanden im Rahmen der internationalen und branchenübergreifenden Horváth-Studie „CxOs Priorities 2026“ statt, für die mehr als 1.000 Unternehmensverantwortliche befragt wurden.