Studie: Zwischen Milliardenaufträgen und Engpass - Zulieferer als Bottleneck in der Rüstungsproduktion

  • Resilienz in der Lieferkette ist eines der wichtigsten strategischen Themen in der Rüstungsindustrie
  • Nahezu alle Unternehmen nennen die Kapazitätserweiterung der Zulieferer entscheidend für die eigenen Ziele
  • Für viele Rohstoffe in der Lieferkette besteht ein hohes Versorgungsrisiko
     

Für 89 Prozent der Rüstungsmanagerinnen und -manager gehört Resilienz in der Lieferkette zu den zentralen strategischen Themen, um Wachstum zu sichern. Neben Cybersecurity und Entwicklung zählt die Lieferkette damit zu den drei wichtigsten Prioritäten in der Branche. War früher vor allem Effizienz und Kapitalausstattung entscheidend, steht heute die Frage im Vordergrund, ob Unternehmen überhaupt zuverlässig produzieren können. Das sind Ergebnisse der Horváth-Studie „Aerospace & Defense“, für die Top-Führungskräfte der Luft- und Rüstungsbranche befragt wurden.

Die veränderte Sicherheitslage in Europa und die Sicherstellung der Verteidigungsfähigkeit sorgen in der Rüstungsindustrie für volle Auftragsbücher. Die Unternehmen schaffen es jedoch nur mithilfe ihrer Zulieferer die Produktion hochzufahren. „Wer heute in Wehrtechnik investiert, erwirbt nicht automatisch Versorgungssicherheit. Ohne verlässliche Lieferanten bleibt jede Kapazitätserweiterung reine Theorie“, sagt Ralf Gaydoul, Partner bei Horváth. Unternehmen müssen daher Abhängigkeiten und Versorgungslücken kritisch hinterfragen. Bereits jetzt halten 94 Prozent der Führungskräfte das Tempo, mit dem Zulieferer ihre Kapazitäten erhöhen können, für entscheidend, um ihre Ziele zu erreichen.

Rohstoffe als Produktionsrisiko 

Besonders die Rohstoffbeschaffung rückt in den Fokus der Unternehmen. Stoffe wie Grafit und Yttrium werden beispielsweise für die Produktion von Flugzeugen benötigt. Laut NATO-Einschätzung gelten sie als besonders risikobehaftet, da sie überwiegend in China gefördert werden. „Die schönste zusätzliche Fertigungslinie nützt nichts, wenn am Ende ein einzelnes Metall fehlt, das nur an wenigen Orten weltweit zur Verfügung gestellt werden kann. Viele Einkaufsabteilungen haben diese Problematik erst jetzt auf dem Schirm“, erklärt der Horváth-Experte.

Knapp die Hälfte der befragten Führungskräfte erwartet zudem, dass sich die Abhängigkeit von Rohstoffen und Zwischenprodukten in den nächsten zehn Jahren nicht deutlich verringern wird. In der Branche entspricht dieser Zeitraum einem gesamten Beschaffungs- und Modernisierungszyklus.

Regulatorik bremst gemeinsame Beschaffung in der EU

Zusätzlich verlangsamen parlamentarische Genehmigungsverfahren und uneinheitliche nationale Beschaffungsregeln viele Projekte über Jahre hinweg. Nur 18 Prozent der EU-Beschaffungen erfolgen heute gemeinsam, was deutlich unter dem Ziel der Europäischen Verteidigungsagentur von 35 Prozent liegt. 78 Prozent der EU-Verteidigungskäufe stammen von außerhalb der Union, der Großteil davon aus den USA.

Das European Defence Industry Programme (EDIP) und der EU Defense Readiness Omnibus sollen gemeinsame Angänge europäischer Länder bei der Beschaffung verbessern. Beide arbeiten allerdings bislang weitgehend unabhängig voneinander. „Die Programme gehen in die richtige Richtung, doch sie sind zwei getrennte Baustellen“, sagt Ralf Gaydoul. „EDIP stellt die Gelder für gemeinsame Beschaffung bereit, der Omnibus vereinfacht die Verfahren dafür. Damit sich wirklich etwas ändert, müssen beide Programme ineinandergreifen, sonst bleibt am Ende doch wieder jedes Land bei seiner eigenen Beschaffung.“

Über die Studie

Für die Horváth-Studie „Aerospace & Defense“ wurde eine repräsentative Auswahl an verantwortlichen Managern aus Rüstungsunternehmen in Deutschland und Europa befragt. Die Stichprobe umfasst über 60 befragte CxOs, mit denen persönliche Tiefeninterviews geführt wurden. Studienreport zum Download: Defense Study 2026 - Horváth.