Sowohl Dienstleister als auch Industrieunternehmen erwarten sinkende EBIT-Margen und geringeres Umsatzwachstum
Beschäftigung am Standort Deutschland stagniert, während Unternehmen in Europa Personal aufbauen
Der deutsche Mittelstand blickt deutlich verhaltener auf das laufende Geschäftsjahr als Unternehmen im europäischen Ausland. Besonders ausgeprägt ist die Zurückhaltung im Dienstleistungssektor: Deutsche Mittelständler rechnen hier sowohl mit niedrigeren Wachstumsraten als auch mit rückläufigen Margen. Das zeigt die Studie „Business Performance im deutschen Mittelstand“ der Managementberatung Horváth.
Während europäische Dienstleistungsunternehmen ihre operative Gewinnmarge (EBIT) im Jahr 2026 von 13,5 auf 14,2 Prozent steigern wollen, erwarten deutsche Mittelständler lediglich eine Marge von 10,2 Prozent und damit einen Rückgang gegenüber dem Vorjahr (-1%). Auch in der Industrie fällt die Einschätzung vorsichtiger aus: Europäische Hersteller kalkulieren für das laufende Jahr mit einer EBIT-Marge von 9,5 Prozent, deutsche Unternehmen hingegen nur mit 7,4 Prozent.
Die zurückhaltenden Erwartungen spiegeln sich auch in den Umsatzprognosen wider. Dienstleistungsunternehmen in Deutschland rechnen für 2026 mit einem Umsatzwachstum von 4,4 Prozent. Die europäische Vergleichsgruppe erwartet dagegen ein Plus von 8,2 Prozent und damit nahezu doppelt so viel. Entsprechend defensiv planen die Unternehmen beim Personal. Deutsche Dienstleister wollen ihre Belegschaft im laufenden Jahr lediglich um 0,5 Prozent ausbauen, während die europäischen Vergleichsunternehmen mit einem Beschäftigungswachstum von 1,7 Prozent rechnen.
In der Industrie zeigt sich ein ähnliches Bild. Die befragten mittelständischen Hersteller erwarten ein Umsatzplus von 5,2 Prozent und liegen damit leicht unter dem europäischen Durchschnitt von 6,0 Prozent. Beim Personal fällt der Unterschied etwas deutlicher aus: Während europäische Industrieunternehmen ihre Beschäftigtenzahl um 2,2 Prozent erhöhen wollen, planen deutsche Hersteller lediglich ein Plus von 0,8 Prozent.
„Die europäische Industrie steht insgesamt unter erheblichem Kostendruck. Deshalb ist das Gap zwischen deutschen und europäischen Unternehmen geringer aus als im Dienstleistungssektor“, sagt Patrick Heurich, Partner und EBIT-Programm-Experte bei Horváth. „Viele Unternehmen haben aber auch bereits umfangreiche Maßnahmen ergriffen, um die Belastungen abzufedern, etwa durch Kostenoptimierungen oder Verlagerungen in Wachstumsmärkte wie USA oder China.“
Wachstumsrezept für den Mittelstand
Nach Einschätzung von Heurich reagiert ein Großteil der Unternehmen auf die aktuellen Herausforderungen vor allem mit Produktivitäts- und Effizienzprogrammen. „Während Unternehmen in Europa insgesamt ein moderates Wachstum erwarten, fällt der deutsche Mittelstand deutlich zurück. Viele Unternehmen setzen deshalb auf Kostensenkungen und Produktivitätssteigerungen. Sie wollen mit stabilen oder nur leicht wachsenden Belegschaften mehr Leistung erzielen, etwa durch Automatisierung und den Einsatz von KI-Technologien“, so der Experte.
Dauerhaften Erfolg versprechen solche Maßnahmen allein jedoch nicht. Entscheidend sei die richtige Balance zwischen Effizienzsteigerung und strategischer Weiterentwicklung des Geschäfts. „Wer ausschließlich an der Kostenschraube dreht und alle Hoffnungen auf schnelle Automatisierungseffekte setzt, wird nachhaltiges Wachstum kaum erreichen“, sagt Horváth-Partner Patrick Heurich. Vielmehr müsse das Kerngeschäft konsequent weiterentwickelt und gegebenenfalls auch von dauerhaft unrentablen Aktivitäten getrennt werden. „Die dadurch entstehenden finanziellen Spielräume gilt es für intelligente Zukunftsinvestitionen zu nutzen. Also kein Kostenprogramm ohne echte Wachstumsstrategie“, so Heurich.
Über die Studie
Für die Studie „Business Performance im deutschen Mittelstand“ wurden über 370 Vorstands- und Geschäftsführungsmitglieder mittelgroßer Unternehmen aus 16 Branchen aus Deutschland befragt. Die Unternehmen erwirtschaften jährlich zwischen 300 Millionen und 3 Milliarden Euro. Die Befragungen fanden Ende des 2. Quartals 2026 statt. Die Ergebnisse und Geschäftsentwicklungen wurden mit einer Stichprobe aus 1.000 Unternehmen mit überwiegend europäischem Firmensitz verglichen.
