Studie

Spannungsfeld Transferpreise

Für international verbundene Unternehmen haben sich Transferpreise zu einem der größten steuerlichen Problemfelder entwickelt. Während die Thematik früher nur im Fokus wichtiger westlicher Industrieländer lag, fordern heute immer mehr Regierungen die Einhaltung detaillierter Transferpreisvorschriften.

Bereits bestehende steuerrechtlichen Anforderungen werden zukünftig noch weiter steigen und die Finanzverwaltungen werden deren Einhaltung umfassender prüfen. Daher wird vorrangig eine hohe Rechtssicherheit zur Vermeidung von Gewinnkorrekturen und möglichen Steuernachzahlungen angestrebt. Die Transferpreisgestaltung ist daher vorwiegend wenn nicht sogar ausschließlich Sache der Steuerabteilung oder des Steuerberaters. Gleichzeitig sollen Transferpreise aus betriebswirtschaftlicher Sicht intern zu einer transparenten Erfolgsermittlung einzelner Konzernteile beitragen, die Koordination dezentraler Managemententscheidungen unterstützen oder zur Anreizgestaltung für Entscheidungsträger dienen. Diese Zielsetzungen stehen untereinander, vor allem aber mit den steuerrechtlichen Anforderungen im Konflikt. Daraus resultiert ein Spannungsfeld zwischen der Unternehmensteuerung und den steuerrechtlichen Anforderungen, das sich aus jeweils isolierter Perspektive der Steuerabteilung oder des Controllings nicht lösen lässt. In der vorliegenden Studie haben die Steuerkanzlei Flick Gocke Schaumburg und Horváth & Partners die Grundcharakteristika der implementierten Transferpreissysteme, das Zusammenspiel der Steuerungs- und steuerlichen Aspekte sowie die Zufriedenheit mit den eingesetzten Transferpreissystemen untersucht. Insgesamt haben 250 mittlere und Großunternehmen verschiedenster Branchen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz an der Umfrage teilgenommen.

Die Studienergebnisse im Überblick

  • Transferpreise – immer wichtiger und leidenschaftlich diskutiert
    Unabhängig von Unternehmensgröße und Branchenzugehörigkeit geben mehr als zwei Drittel der Befragten an, sich mit internen Konflikten zum Thema Transferpreise auseinandersetzen zu müssen: Für Vertriebsgesellschaften sind sie zu hoch und belasten die
    Margen, für Produktionsmanager sind sie zu niedrig, die Steuerabteilung muss „Rechtssicherheit“ gewährleisten, Controller sehen die Steuerungsfähigkeit gefährdet und das Management erwartet von den Beteiligten, sich auf das Geschäft zu konzentrieren.
  • Steuerliche Rechtssicherheit steht im Fokus
    Aus steuerlicher Perspektive sehen 100 Prozent aller Befragten und aus betriebswirtschaftlicher Sicht 94 Prozent die Sicherstellung der Rechtssicherheit im Fokus. Begründet auch dadurch, dass viele Unternehmen berichten, dass in der letzten Betriebsprüfung Transferpreisdokumentationen angefordert wurden (80%) und Themen wie Lieferbeziehungen zu Vertriebsgesellschaften (79%), Vergütungen von Dienstleistungen (67%) und Überlassungen immaterieller Wirtschaftsgüter (60%) strittig waren.
  • Transferpreise beeinflussen die Unternehmenssteuerung erheblich
    Knapp 50 Prozent der Befragten nutzen Transferpreise ausschließlich zur Erfüllung steuerrechtlicher Anforderungen, die andere versucht gleichzeitig betriebswirtschaftliche und steuerrechtliche Anforderung abzudecken. In beiden Fällen aber beeinflussen sich das Transferpreiskonzept und das Steuerungskonzept gegenseitig.
  • Zwei-Kreis-Systeme bleiben die Ausnahme
    Lediglich 9 Prozent der Teilnehmer wenden das Zwei-Kreis-System an, das parallel mit einem Transferpreis für steuerrechtliche Zwecke und einem zweiten für Steuerungszwecke arbeitet. Das Verfahren ist sehr aufwendig und nur auf den ersten Blick rechtssicher. Das Ein-Kreis-System hingegen basiert auf Steuerungsgrößen, die auf legalen Transferpreisen beruhen und gleichzeitig eine angemessene Geschäftssteuerung erlauben.
  • Integration als Schlüssel zur Optimierung
    Konfliktfelder werden aus Sicht der Steuerabteilung und des Controllings teilweise unterschiedlich gewichtet. Dabei stehen sich Controller, mit entsprechend eigener betriebswirtschaftlicher Sprache, und Vertreter der Steuerabteilung gegenüber, die mitebenso eigener eher juristisch geprägter Sprache und Sichtweise ihre Position formulieren. Ein gegenseitiges Verstehen ist unter diesen Umständen bereits anspruchsvoll, eine für beide Seiten befriedigende Lösungsentwicklung umso schwieriger. Bisher besteht allerdings erst in 39 Prozent der befragten Unternehmen eine diesbezügliche Regelkommunikation, hier gibt es also noch erhebliches Verbesserungspotenzial.
  • Unternehmen sehen erheblichen Anpassungsbedarf ihrer Transferpreissysteme
    42 Prozent der Unternehmen planen, ihr Transferpreissystem wesentlich zu überarbeiten, fast zwei Drittel von ihnen in den nächsten zwei Jahren.
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Horváth & Partners
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