Horváth-Studie: MedTech & Life Sciences: Probleme mit der Datenbasis bremsen Innovationen

  • Vor allem bei seltenen Krankheiten fehlen einheitliche Patientendaten für wirksame Therapien

  • Lieferketten-Resilienz rückt in den Fokus der Branche

  • KI und digitale Transformation haben strategische Priorität

Aus Sicht aller Top-Entscheider in der Gesundheitswirtschaft sind fehlende oder fragmentierte Daten der Hauptgrund dafür, dass Therapien insbesondere bei seltenen Krankheiten nur langsam vorankommen. 84 Prozent der befragten CxOs erwarten zudem, dass es weiterhin ungleiche Zulassungsanforderungen für neue Therapien in den USA, Europa und Asien geben wird. Das sind Ergebnisse der Studie „Industry Insights MedTech & Life Sciences 2026“ von Horváth.

Gleichzeitig befürchten die europäischen Unternehmen Nachteile durch mögliche Verzögerungen bei der Zulassung. 88 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass europäische Wettbewerber hinter asiatischen und amerikanischen Konkurrenten zurückfallen, wenn Zulassung und Markteinführung nicht schneller erfolgen. Die Ergebnisse zeigen, dass Innovation allein zunehmend nicht mehr ausreicht. Zwar bleibt sie die Grundlage für den Erfolg in Life Sciences und MedTech. Über die Marktführerschaft entscheiden künftig jedoch stärker die Fähigkeit zur schnellen Markteinführung, ein gesicherter Patientenzugang sowie die Skalierung von Innovationen in profitables Wachstum.

Neuausrichtung führt zu organisatorischem Wandel

Vor diesem Hintergrund verschieben sich auch die strategischen Prioritäten der Branche. KI und digitale Transformation stehen nun an der Spitze der strategischen Prioritäten – ein Sprung von Platz 3 im Vorjahr. Innovation sowie Forschung & Entwicklung, die bislang Platz 1 belegten, fallen dagegen auf Platz 4 zurück.

Als größte Herausforderung bei der Skalierung von KI im Unternehmen nennen die Top-Entscheider das fehlende Wissen der Beschäftigten. Danach folgen Datenqualität und -sicherheit. Diese Faktoren spiegeln wider, wie wichtig vertrauenswürdige und rechtskonform organisierte Datenumgebungen als Fundament in dieser hochregulierten Branche sind.

Zugleich möchte die Branche künftig durch KI, Automatisierung und Prozesseffizienz wachsen, wie die Studie zeigt. Der Umsatz wird nach Angaben der Befragten im Jahr 2026 voraussichtlich um 6,1 Prozent steigen, und für 2027 wird mit 6,3 Prozent ein ähnliches Wachstum erwartet. Das Personalwachstum verlangsamt sich hingegen deutlich – von 3,2 Prozent im Jahr 2026 auf 1,4 Prozent im kommenden Jahr.

Resilienz als Wettbewerbsvorteil

Auch die Widerstandsfähigkeit globaler Lieferketten rückt stärker in den Blick der Branche. 92 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass fragmentierte Lieferketten und geopolitische Risiken eine anhaltende Belastung für Betrieb und Compliance darstellen. Lieferkettenstörungen und Inflation haben für MedTech & Life Sciences im Vergleich zum Vorjahr zudem an Bedeutung gewonnen, stärker als in anderen Industriebranchen.

Auf der Suche nach resilienten Strukturen investieren die Unternehmen gezielt in den Ausbau globaler Kompetenzstandorte. Den größten Personalaufbau bis 2030 erwarten sie in Indien (77 Prozent), Osteuropa (65 Prozent) und Asien (62 Prozent). „Vor allem die Entwicklung Indiens ist beeindruckend. Das Land wandelt sich von einer verlängerten Werkbank zu einem strategischen Hub für Digitales, Daten sowie hochspezialisierte Forschung und Entwicklung“, erklärt Henry Jakobsson, Principal bei Horváth und Experte für die Branchen Life Sciences & Medizintechnik.

Gleichzeitig fließen 67 Prozent der Investitionen in den nächsten fünf Jahren nach Deutschland. „Der Investitionsanteil spiegelt das weiterhin große Vertrauen in Deutschland als führenden Standort für Innovation, Produktion und operative Exzellenz wider“, sagt Henry Jakobsson.

Starke Basis für die Transformation 

Die geplante Neuausrichtung trifft. auf eine finanziell robuste Branche: Mit einer erwarteten EBIT-Marge von 14,5 Prozent im Jahr 2026 liegt Life Sciences & MedTech über dem Durchschnitt der Gesamtindustrie von 10,1 Prozent. „Was sich ändert, ist die Art und Weise, wie Wettbewerbsvorteile entstehen. Innovation bleibt die Grundlage für Markführerschaft, doch künftig hängt diese von weiteren Faktoren ab. Unternehmen müssen dafür einen exzellenten Markteintritt schaffen. Der Patientenzugang muss gut gesichert sein. Zudem müssen die Unternehmen KI erfolgreich nutzen, damit sie Innovation und Produktivität über ihre globalen Standorte hinweg skalieren können ", ordnet Henry Jakobsson die Studienergebnisse ein.

 

Über die Studie

Für die Horváth-Studie „Industry Insights MedTech & Life Sciences 2026“ wurde eine repräsentative Auswahl von Vorstandsmitgliedern und Geschäftsführern befragt. Die Stichprobe umfasst 36 Befragte, mit denen persönliche Tiefeninterviews geführt wurden. Die Interviews fanden im Rahmen der internationalen und branchenübergreifenden Horváth-Studie „CxOs Priorities 2026“ statt, für die insgesamt mehr als 1.000 Unternehmensverantwortliche befragt wurden.