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H2 auf dem Vormarsch: Milliardenförderung für Wasserstoffprojekte

Nachhaltig fliegen, bauen, heizen: Mit seiner nationalen Wasserstoffstrategie hat Deutschland den Weg für grünen Wasserstoff (H2) als Energieträger der Zukunft geebnet. Um die Technologie zu fördern, hat das Bundeswirtschaftsministerium insgesamt neun Milliarden Euro Fördergeld zugesagt. Als erstes Projekt profitiert das Reallabor Westküste 100 in Dithmarschen von der Subvention des Bundes. Doch auch Hamburg darf sich bereits über eine Förderzusage freuen.

Für die Mobilitäts- und Energiewende ist grüner Wasserstoff ein entscheidender Faktor, um langfristig Klimaneutralität zu erreichen. Deutschlands erklärtes Ziel ist es, Weltmarktführer beim Thema Wasserstoff zu werden. Dafür hat das Land nun eine hohe Summe bereitgestellt, um H2-Projekte zu fördern. Der Plan der Bundesregierung sieht vor, dass bis 2030 Elektrolyse-Kapazitäten von fünf Gigawatt aufgebaut werden sollen.

Westküste 100: Reallabor für Wasserstoff erhält Subventionen in Millionenhöhe

Als erstes transdisziplinäres Reallabor erhält die sogenannte Westküste 100 in Dithmarschen, Schleswig-Holstein, nun konkrete Subventionen vom Bundeswirtschaftsministerium in Höhe von 30 Mio. Euro. Start des Projekts war Anfang August 2020. Schon allein aufgrund seiner enormen Windkraft ist der Standort ideal, um dort nachhaltig grünen Wasserstoff zu produzieren. Im Reallabor Westküste 100 soll eine regionale Wasserwirtschaft aufgebaut werden, die nach erfolgreicher Einrichtung dann skaliert, also auf einen industriellen Maßstab hochgeschraubt werden kann. Das Projekt fördert Ökonomie und Ökologie gleichermaßen und könnte der Bundesrepublik dazu verhelfen, Technologieführer beim Thema H2 zu werden. Die Erkenntnisse, die durch Westküste 100 gewonnen werden, sollen später auf andere Anwendungsfälle übertragen werden. Dann, wenn die Skalierung erfolgreich ist, wird eine starke Kostendegression erwartet, so wie es bei Photovoltaik- und Windkraftanlagen, vor allem Offshore, schon heute der Fall ist.

Neben der Nordseeküste hat jüngst nun auch Hamburg mit dem Reallabor Integrierte WärmeWende Wilhelmsburg eine Förderzusage über 22,5 Mio. Euro erhalten. Das Projekt wird vom Energieversorger Hamburg Energie koordiniert und kann nun in die Umsetzung gehen. Der Zweck: Nicht nur Strom, sondern auch die Wärmeversorgung klimafreundlich zu gestalten.

Grünen Wasserstoff fördern – das ist das langfristige Ziel

Das vorrangige Ziel der Reallabore ist die Förderung von grünem Wasserstoff, da nur dieser wirklich klimafreundlich ist. Er entsteht nämlich mit Hilfe erneuerbarer Energien. Mittelfristig wird jedoch neben grünem auch blauer und türkiser Wasserstoff Teil des Systems sein. Während grüner Wasserstoff klimaneutral ist, sind es die anderen Formen nicht: Blau bedeutet, dass das CO2, das bei der H2-Produktion entsteht, gespeichert wird und nicht in die Atmosphäre gelangt. Das klingt gut, die Methoden hierfür sind jedoch umstritten. Türkiser Wasserstoff wiederum wird aus der fossilen Energie Methan gewonnen. Anstelle von CO2 entsteht dabei fester Kohlenstoff.

Neben der Verwendung von blauem und türkisem H2 wird es nötig sein, auch auf andere Quellen zurückzugreifen. Klimaneutral erzeugter Wasserstoff muss zusätzlich aus anderen Ländern importiert werden, zum Beispiel aus Südeuropa oder Afrika. Wind und Sonne in Deutschland allein werden hierfür nicht reichen. Ein umfangreiches Portfolio ist für den Start der Technologie essenziell.

Anreizsysteme gegen dauerhafte Subventionen

Förderungen und Subventionen sind gut, gerade um zu Beginn eine neue Technologie in ihrem Wachstum zu unterstützen. Der Markt muss sich zunächst einmal entwickeln. Gleichwohl sollte das Ziel dieser Förderungen immer sein, die Technologie auf industrielle Maßstäbe hochzuschrauben, so dass sie aus sich heraus wirtschaftlich und eben nicht mehr auf Subventionen angewiesen ist. Die Förderung aus dem Corona-Konjunkturpaket kann in der Tat dabei helfen, diese Wirtschaftlichkeit schneller zu erreichen.

Ein wichtiger Faktor, um dauerhafte Subventionen zu vermeiden, sind die richtigen Anreize. Dazu sollte erst einmal herausgearbeitet werden, wo solche Anreize im Gesamtsystem überhaupt sinnvoll sind. Möglich und denkbar sind beispielsweise der Verzicht auf Netzentgelte sowie Steuern, Umlagen und Abgaben.

Grüner H2 – erste Anwendungen in Industrie- und Mobilitätssektoren denkbar

Die Chance, in ersten Anwendungsfeldern wirklich gewinnbringend zu werden, hat grüner Wasserstoff allerdings dennoch erst Mitte der 2020er Jahre, wenn die Technologien weit genug ausgereift sind. Erste Cases sind höchstwahrscheinlich stoffliche Anwendungen in der Industrie, wie beispielsweise der Ersatz von Biokraftstoffen durch H2. Außerdem wird Wasserstoff sicher im Mobilitätssektor Anwendung finden. Weil grüner Wasserstoff CO2-frei ist, können hiermit auch die Feinstaub-Emissionen verhindert werden. Wasserstoff kommt also insbesondere dort zum Zuge, wo er nicht ausschließlich Energieträger ist, sondern als smarte und vielfältige Lösung dient.

Die Bundesregierung verfolgt ihr Ziel, Technologieführer zu werden mit voller Kraft – und die Subventionierungen sind ein richtiger und wichtiger Schritt in Richtung Klimaneutralität. Künftig wird H2 in immer mehr Bereichen Anwendung finden und auch Unternehmen werden zunehmend in die Entwicklung und Nutzung von Wasserstoff investieren. Dennoch wird es vermutlich noch Jahre dauern, bis sich Wasserstoff im Energiesystem als zentraler Träger durchgesetzt hat.

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