White Paper

Strategische Imperative in der Logistikbranche

Die Logistikbranche als tragende Säule der deutschen Wirtschaft ist - auch dank des boomenden eCommerce - weiter auf stetem Wachstumskurs, steht jedoch zugleich vor immer größeren Herausforderungen, die perspektivisch zu nachhaltigen Umwälzungen in der gesamten Branche führen werden.

Hohe Wettbewerbsintensität, rasant fortschreitende Digitalisierung und Automatisierung, immer anspruchsvollere Endkunden sowie der Wettbewerb zu zunehmend integrierten Geschäftsmodellen neuer Player verlangen nach gezielten Antworten zur nachhaltigen Sicherung der eigenen Marktposition - strategische Imperative in der Logistikbranche, die wir im Einzelnen durchleuchtet haben.

Eine klare USP aus Kundensicht entwickeln. In Zeiten, in denen die reine Beförderung von Gütern zur Commodity und die Gestaltung der Logistikkette zunehmend vom Endkunden übernommen wird, ist es für Logistiker unerlässlich eine klare USP aus Kundensicht zu entwickeln. Anhand vier zentraler Säulen können Logistikunternehmen Schwerpunktsetzungen einer klaren USP herausarbeiten: 

1) Kundenintegration, 2) Einzigartigkeit der Lösungen, 3) Kosteneffizienz und 4) Operational Excellence. 

Die Organisation konsequent auf die USP ausrichten. Historisch gewachsene, aber auch durch die hohe vergleichsweise M&A-Affinität resultieren in der Logistikbranche oft in komplexen und dezentralen Strukturen, die bspw. raschen Entscheidungsfindungen und Ausrichtung auf sich ändernde Kundenanforderungen im Wege stehen. Es ist daher ein strategisches Imperativ, Organisation und Wertschöpfungsprozesse aus Kundensicht zu optimieren. 

Die Potenziale der Digitalisierung realisieren. Dass die Digitalisierung vielfältige und bahnbrechende Möglichkeiten und sogar neue Geschäftsmodelle in der Logistik ermöglicht, wissen wir spätestens seit Amazon. Auch die hier eher zurückhaltenden Logistikunternehmen sollten die Vorzüge neuer, digitaler Technologien viel stärker für sich nutzen. Predictive Analytics, Blockchain und Big Data sind nur einige Technologien, die - richtig angewendet - enorme Potenziale freisetzen.

Das ganze Potenzial der Automatisierung nutzen. Um bspw. Produktionskosten zu reduzieren und Effizienzen zu steigern, müssen Logistikunternehmen die Potenziale der Automatisierung nutzen. Dies umfasst nicht nur die „Robotisierung“ bestehender administrativer Prozesse, sondern bspw. auch den Einsatz derartiger Technologien zur effizienten Ausgestaltung von Lagerprozessen.

Champion der letzten Meile werden. Besonders im B2C Markt ist die letzte Meile gleichermaßen erfolgskritisch wie entscheidend - und aufgrund der Paketflut zunehmend herausfordernd. Logistiker, die diese Disziplin mit bspw. neuen Zustellkonzepten meistern haben sichern sich zukünftig einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil.

Sales und Tender Management konsequent weiterentwickeln. Mit ihrer in der Regel hohen Mitarbeiterintensität verursachen Sales Organisationen bei Logistikern oft einen beträchtlichen Teil der (Personal-)Kosten. Auch werden ca. 70% des Auftragsvolumens innerhalb der Branche auf Basis formaler Ausschreibungen im Bieterwettbewerb vergeben. Dementsprechend sind ein effizienter Ressourceneinsatz, die Nutzung neuer Technologien und Absatzwege sowie ein schlagkräftiges, modernes Ausschreibungsmanagement entscheidend für den unternehmerischen Erfolg. Vier Säulen sind maßgeblich zu Erreichung und Sicherstellung von Sales Excellence: 1) Sales Strategy, 2) Sales Organization & Processes, 3) Sales Controlling und 4) Sales People Development. 

Den Einkauf professionalisieren und Lieferanten gezielt entwickeln. Besonders in der Logistik beeinflusst der Einkauf zentral die Profitabilität der Unternehmen. Entsprechend erfolgskritisch ist die gezielte und gesamthafte Optimierung dieser Funktion in Richtung Procurement Excellence - d.h. der Prozesse und Systeme, der Einkaufsorganisation sowie des Lieferantenmanagements. 

Zustrom und Verbleib von Fach- und Führungskräften sicherstellen. Besonders die Logistikbranche bekommt den zunehmenden Fachkräftemangel in Deutschland zu spüren. Entsprechend sind Logistikunternehmen immer mehr gezwungen, ihre Attraktivität für Mitarbeiter und Bewerber zu steigern. Ein umfassendes Employer-Branding sowie weitreichende Qualifizierungsangebote sind hierfür nur zwei der möglichen Ansätze.

Nachhaltigkeit als Wettbewerbsvorteil begreifen und im Unternehmen vorantreiben. Dieselfahrverbote, Schadstoffemissionen und die gesellschaftliche Verantwortung führen dazu, dass bspw. in Ausschreibungen nachhaltige Lösungen zunehmend erfolgsentscheidend sind. Auch in modernen urbanen Konzepten spielt Nachhaltigkeit eine zentrale Rolle. Logistiker können darauf in unterschiedlicher Weise reagieren - von der eigenständigen Entwicklung von e-Fahrzeugen bis hin zur (Beteiligung an der) Entwicklung ganz neuartiger Logistikkonzepte. 

Die hier skizzierten neun strategischen Imperative bieten aus unserer Sicht klare Orientierung für Logistikunternehmen, um nachhaltig die eigene Markt- und Wettbewerbsposition in einer zunehmend dynamischen Zukunft zu behaupten - und implizieren vielfach tiefgreifende Veränderungen im Geschäftsmodell, der Organisationsform und/ oder der Prozesse.

In unserem Whitepaper „Strategische Imperative in der Logistik“ haben wir aktuelle Trends und Themen analysiert und die aus unserer Sicht resultierenden strategischen Imperative für eine langfristig erfolgreiche Entwicklung von Logistikunternehmen detailliert beleuchtet.

Bohlmann, B. / Michelkens, M. / Pisoke, M.
Erschienen in: White Paper, 2018

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