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Die Nightmare-Competitor-Methode: Wie wir uns gegen unseren schlimmsten Alptraum wappnen können

Die Medien beschreiben die Corona-Krise in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft oft als Alptraum. Immer mehr Unternehmen sind mit ausbleibendem Umsatz bei hohen Kosten konfrontiert und werden gleichzeitig von bisher unbekannten Konkurrenten überrascht, die flexibler auf die Umstände reagieren oder besser auf die neuen Bedürfnisse eingehen können. Es bedarf aber nicht erst einer Krise, um sich als etabliertes Unternehmen den potenziell gefährlichsten Wettbewerber vorzustellen und Maßnahmen zu entwickeln, ihm die Stirn zu bieten: Genau diesen Prozess spiegelt die Nightmare-Competitor-Methode – was sich dahinter verbirgt, erfahren Sie hier.

Alptraum für viele, Sternstunde für einige

Wir erleben aktuell eine Situation, die es so noch nie gab und die bisher undenkbar war: Eine Pandemie, die weltweit Volkswirtschaften lähmt, unseren Alltag völlig unvorhergesehen auf den Kopf stellt und Staaten dazu veranlasst, massenweise Kredite auszugeben. Viele von uns finden sich gerade im Homeoffice wieder, haben die Osterfeiertage ohne ihre Familie und insbesondere ohne die Großeltern verbracht, kleine Einzelhändler aber auch Großkonzerne bangen um ihre Existenz und wir alle kämpfen dabei gegen einen unsichtbaren Feind. Die Straßen sind wie leergefegt… oder?

Bei genauerem Hinsehen wird deutlich: So leer sind die Straßen gar nicht. Es wimmelt von Lieferanten, die Pakete kontaktlos austragen. Hierbei fällt auf, dass es sich heute nicht nur um die bekannten gelben, blauen, braunen und roten Vans handelt, die an den Häusern parken. Immer regelmäßiger sieht man Lieferwagen mit neuen Aufschriften wie „Flaschenpost“, „Frischepost“ oder sogar Privatfahrzeuge, die mit den Bestellungen lokaler Einzelhändler und Manufakturen (z.B. „Hopfenkuss“ in Limburg an der Lahn) beladen sind.

„Flaschenpost“ ist ein onlinebasierter Getränkehandel, der verspricht, innerhalb von 120 Minuten nach der Bestellung zu liefern und gleichzeitig lästiges Leergut entgegenzunehmen. Ende März im Rahmen der Corona-Krise verkündete das Unternehmen, dass es mit der Lieferung von Lebensmitteln und Drogerieartikeln nun auch die Grundversorgung der deutschen Haushalte in 125 Städten sicherstellt. „Frischepost“ nutzt ebenfalls seinen neu aufgebauten Onlineshop, um frische Lebensmittel regionaler Landwirte an private Haushalte innerhalb eines Tages auszuliefern – mit großem Erfolg! Auch die klassischen E-Commerce-Riesen erfreuen sich eines bisher nie gesehenen Wachstums. So stellt beispielsweise Amazon rund 100.000 neue Mitarbeiter ein. All diese Unternehmen mutieren zu „Alptraumkonkurrenten“ für bestehende Einzelhändler, da sie die Krise als Chance nutzen, um die Vorteile ihres Geschäftsmodells auszuspielen. Hierzu zählt beispielsweise eine bestehende, gut funktionierende Onlineplattform mit angeschlossener Logistik.

Eine kurze Definition

Doch was bedeutet Alptraum konkret? In der Nacht erscheinen uns die Dinge häufig deutlich bedrohlicher als am Tag. Ein Alptraum erschüttert uns, da er uns unvorhergesehen in eine schreckliche und ausweglose Situation versetzt. Auch wenn sich im Alptraum kein Ausweg finden lässt, so wird es doch am Tag möglich, Dinge in einem helleren Licht zu betrachten, sich näher mit der Situation auseinanderzusetzen und Lösungen zu finden.

Das Phänomen des metaphorischen Alptraums findet sich in der Wirtschaft reihenweise wieder. Fluggesellschaften hätten sich bis vor Kurzem beispielsweise nicht träumen lassen, dass Fliegen so schnell durch Microsoft Teams oder Zoom ersetzt wird. Fitnessstudios bleiben auf teuer angeschafften Geräten sitzen und müssen hohe Mieten für Studios in den besten Stadtlagen zahlen, während immer mehr Menschen vor dem Bildschirm Sport machen, z.B. mit dem Online-Programm Gymondo. So wird deutlich: Corona macht vor Branchengrenzen keinen Halt.

Auch in der Vergangenheit finden sich Beispiele, wie Nokia, die nicht mit der disruptiven Kraft des damaligen Computerherstellers Apple gerechnet haben, oder Quelle, das ehemals größte europäische Versandhaus, das die internationale Konkurrenz Amazon maßgeblich unterschätzt hat. Wenn sich all diese Unternehmen schon früher Gedanken über ihren schlimmstmöglichen Konkurrenten gemacht hätten, wären sie eventuell in der Lage gewesen, sich noch rechtzeitig neu zu erfinden.

Nightmare-Competitor-Methode

Genau dieses Bildhafte des „Alptraumkonkurrenten“ macht sich die Kreativ-Methodik des Nightmare Competitors (NC) zu Nutze. Ein möglichst bedrohliches Bild soll entstehen, eine ausweglose Situation. Aber da ein Traum eben (noch) nicht Realität ist, kann das Unternehmen rechtzeitig auf das reagieren, was der Alptraum so anschaulich vorgeführt hat.

Im Rahmen eines Workshops werden Mitarbeiter aus möglichst vielen verschiedenen Abteilungen, ggf. ergänzt um Kunden und Start-ups, aufgefordert, ihren Alltag beiseitezuschieben und ganz neu über das eigene Unternehmen nachzudenken. In vier Schritten eröffnen sich völlig neue Perspektiven:

1. Future Personas
Wie die meisten Ideation- und Innovationsprozesse startet auch die Erstellung des Nightmare Competitors beim Kunden. Was wünscht sich der Kunde von morgen? Welche Bedürfnisse hat er? Welche Trends lassen sich schon heute erahnen? All diese Fragen werden in Form von stereotypischen Personas als Stellvertreter der eigenen Zielgruppe festgehalten.

2. Nightmare Competitor Building
Die erstellten Personas stellen die Zielgruppe des Alptraumkonkurrenten dar. Nun gilt es zu verstehen, wie er es schafft, genau diese Kunden mit seinem Geschäftsmodell zu begeistern. Welchen USP hat er? Welche strategischen Partnerschaften geht er ein? Welche Kundenschnittstellen nutzt er? Die Teilnehmer beschreiben den Nightmare Competitor in all seinen Facetten mit Hilfe des NC-Canvas.

3. Kompetenzvergleich
Nachdem der Konkurrent detailliert beschrieben und imaginiert wurde, lässt sich deutlich erkennen, was er besser macht als das eigene Unternehmen. Anhand eines einfachen Kompetenzvergleichs können die aktuellen Stärken und Schwächen des eigenen Unternehmens aufgedeckt und untersucht werden.

4. Strategische Stoßrichtungen
In einem letzten Schritt sprechen die Teilnehmer konkrete Empfehlungen an die Geschäftsführung aus. Strategische Stoßrichtungen werden ermittelt, die einen Sieg über den Nightmare Competitor herbeiführen. Wie schafft man es, gegen ihn anzutreten? Welche Kompetenzen müssen aufgebaut, welche Investitionen getätigt werden? Genau diese Stoßrichtungen werden im Anschluss an den Workshop konsolidiert und in die Innovations- und Strategiearbeit überführt.

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Es gibt viele Beispiele von Unternehmen, die sich mit Hilfe innovativer Ideen komplett neu erfunden haben. Etwa Netflix, das sein Geschäftsmodell vom DVD-Versand zum Streaming und zur eigenen Produktion weiterentwickelt hat. Oder Rügenwalder, das heute zu den bekanntesten vegetarischen Wurstproduzenten gehört. Diese Unternehmen haben den Status quo hinterfragt und sich auf die Suche nach neuen Wertversprechen gemacht – die Nightmare-Competitor-Methode ist nur eine von vielen, die diese Suche erfolgreich macht.

Wenn Sie gewohnte Denkmuster verlassen und neue Ideen für Ihr Unternehmen entwickeln möchten, wenden Sie sich an uns. Wir informieren Sie zur Methodik und erfolgreichen Nightmare-Competitor-Projekten.

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