Interview mit Florian Kümper, Finanzritter

AUF DEM WEG ZUR BANCASSURANCE-LÖSUNG

FinanzRitter ist ein digitaler Versicherungsmakler und verspricht Kunden Zeit, Geld und Nerven zu sparen. Unterstützt durch Odysseus Investments von Christophe Reech und dem Axel Springer Plug and Play Accelerator möchte sich FinanzRitter als die nächste Generation digitaler Makler etablieren. FinanzRitter stellt dabei seinen Kundenfokus heraus. So wird zum Beispiel die Ersteinschätzung völlig anonym ohne Registrierung, Name, Adresse oder Unterzeichnung eines Maklervertrages ermöglicht.

Gründer und Geschäftsführer Florian Kümper erklärt im Gespräch mit Horváth & Partners, wie sich FinanzRitter am Markt differenziert und erläutert, wieso er in Zukunft Partnerschaften von Banken und Versicherungen als unerlässlich erachtet.

HERR KÜMPER, 2016 HABEN SIE ZUSAMMEN MIT IHREN PARTNERN TILL SANDERS, DIPL.-ING. SEBASTIAN CORDES UND DR.-ING. DOMINIC SIEDHOFF FINANZRITTER GEGRÜNDET. WIE KAM ES DAZU?

KÜMPER / Als Versicherungsmakler haben mich schon immer die Vielzahl an Kundenverwaltungsprogrammen und die damit verbundene Komplexität gestört. Ich habe mich deshalb 2015 mit ehemaligen Schulkameraden zusammengefunden. Unser Ziel war es, gemeinsam eine bessere Softwarelösung zu entwickeln. Erst daraus hat sich im Nachgang die Idee entwickelt, auch Kunden das Leben zu erleichtern und die Software zugänglich zu machen. Über einen Gründerwettbewerb konnten wir Axel Springer als Investor gewinnen und haben im September 2016 FinanzRitter gegründet.

AUF IHRER WEBSITE SCHREIBEN SIE, DASS SIE SICH ALS DIE „NÄCHSTE GENERATION DER VERSICHERUNGSMAKLER“ SEHEN. WAS MEINEN SIE DAMIT UND WIE ÄUSSERT SICH DAS BEI IHREN KUNDENBEZIEHUNGEN?

KÜMPER / Bei klassischen Maklern besitzen die Kunden häufig nur eine unübersichtliche papierbasierte Übersicht ihres Versicherungsportfolios. Beratungstermine dauern zudem im Schnitt circa zwei Stunden. Mit unserer Software vereinfachen wir beides. Wir schaffen eine Win-Win-Situation, indem wir eine deutlich verbesserte digitale Vertragsübersicht und eine effizientere Beratung anbieten. Ein weiterer Vorteil unseres Angebots ist die Kundenanonymität. Bei uns kann sich jeder anonym das perfekte Versicherungsangebot zusammenstellen. Erst während des Vertragsabschlusses benötigen wir die Kundendaten und die Unterschrift für die Maklervollmacht.

WESENTLICHER BESTANDTEIL IHRES GESCHÄFTSMODELLS IST KÜNSTLICHE INTELLIGENZ (KI). WIE WIRD KI IN DAS GESAMTKONZEPT IHRER STRATEGIE INTEGRIERT?

KÜMPER / Innerhalb unserer App bieten wir eine KI-basierte Versicherungsberatung, zugeschnitten auf die individuelle Kundensituation und die besten Preis-Leistungsangebote am Markt. KI ermöglicht es uns, die Verkäufer aus der Wertschöpfungskette herauszunehmen. Wir setzen nicht auf emotionale Verkaufstricks, sondern bieten genau das an, was der Kunde benötigt. Darüber hinaus gewährleisten wir eine fortlaufende automatisierte Kundenbetreuung, die den Versicherungsschutz, falls nötig, umstellt. Quasi ein No-Brainer: Unser Kunde muss sich nach dem Abschluss des Maklervertrages keine Gedanken mehr zu seinem Versicherungsschutz machen, wir sind für ihn da. Durch die Automatisierung der Hintergrundprozesse gewinnen wir Zeit, welche wir in die Betreuung unserer Kunden investieren, um so einen schnellen, persönlichen und einzigartigen Kundenservice zu bieten, auch bei individuellen Anfragen.

JETZT HABEN WIR UNS AUSFÜHRLICH DEM MEHRWERT AUF DER KUNDENSEITE GEWIDMET, WELCHE VORTEILE BIETEN SIE VERSICHERUNGEN IN DER ZUSAMMENARBEIT?

KÜMPER / Der Mehrwert für Versicherungen entsteht vor allem durch unsere Empfehlung. Wir unterscheiden uns dabei deutlich von Vergleichsportalen, bei denen der Kunde eine Vielzahl von Produkten angeboten bekommt und sich eines aussuchen muss. Wir bieten dem Kunden genau eine Versicherung an, nämlich nur das Angebot, das für ihn am besten geeignet ist. Dies ist sehr attraktiv für Versicherungen, da wir für sie den Vertrieb übernehmen. Natürlich gibt es auch heute noch Versicherungen, die nicht direkt mit uns zusammenarbeiten wollen. Diese können wir jedoch über Versicherungspools abdecken.

LASSEN SIE SICH UNS DEM THEMA BANCASSURANCE WIDMEN: WIE BEWERTEN SIE DIE ZUNEHMENDE VERSCHMELZUNG VON BANKEN- UND VERSICHERUNGSDIENSTLEISTUNGEN?

KÜMPER / Wir möchten unsere Kunden dabei unterstützen, die administrativen Aspekte des Lebens so einfach wie möglich zu gestalten. Das gilt besonders für unsere junge Zielgruppe. Hier möchten wir einen Ansatz schaffen, der alle Bedürfnisse hinsichtlich Finanzen und Versicherungen aus einer Hand bedienen kann, egal bei welchem Anbieter unsere Kunden aktuell unter Vertrag stehen. Mit einer Bancassurance-Lösung können wir durch den Zugang zu Transaktionsdaten mögliche Deckungslücken oder Veränderungen in den Lebenssituationen unserer Kunden noch besser und einfacher ablesen. Durch die Kopplung an ein Bankkonto erhöhen wir zudem die Interaktionsfrequenz in unserer App. PSD2 ist daher ein absoluter Game Changer, der das Thema Bancassurance deutlich nach vorne katapultieren wird, auch bei uns.

WORIN SEHEN SIE DIE WESENTLICHEN STELLHEBEL EINER ERFOLGREICHEN BANCASSURANCE-LÖSUNG UND INWIEWEIT KOMMT FÜR SIE EIN WHITE-LABEL-ANSATZ IN FRAGE?

KÜMPER / Damit Bancassurance erfolgreich sein kann, muss sie vom Kunden her gedacht werden. Hier sehe ich drei entscheidende Stellhebel: Schnelligkeit, Einfachheit und Intuitivität. Der Umgang mit Finanz- oder Versicherungsdaten sollte hierbei bereichsübergreifend vereinfacht werden, ohne dass verschiedene Apps oder Tools benötigt werden. 

Seit Mitte letzten Jahres beschäftigten wir uns aktiv mit der Vorbereitung einer White-Label-Lösung. Wir konnten unsere Marktreife bereits beweisen und sehen in White-Label-Kooperationen einen weiteren Wachstumspfad. Zurzeit befinden wir uns in Gesprächen mit zahlreichen Banken um unser Produkt auch als White-Label- oder Co-Label-Version auf anderen Plattformen zu integrieren. Insbesondere Direktbanken zeigen sich diesbezüglich sehr offen. Die bisherige Resonanz war sehr positiv.

WAS KÖNNEN ETABLIERTE VERSICHERER VON JUNGEN UND DYNAMISCHEN PLAYERN WIE FINANZRITTER LERNEN?

KÜMPER / Etablierte Versicherungen operieren mit Strukturen, die meist über die letzten 20 Jahre gewachsen sind und nicht einfach so abgeändert werden können. Wir hatten diesbezüglich vor kurzem ein interessantes Gespräch mit einem großen Versicherer. Dort soll die Unternehmenssoftware aktualisiert werden. Aufgrund der Vielzahl der vorhandenen Geräte und der veralteten Struktur gestaltet sich dieses als zeitaufwendig und schwierig. Bis das neue Konzept implementiert ist, befinden wir agilen Jungunternehmen uns schon wieder auf einer ganz anderen Ebene. Daher ist meine Empfehlung klar: Etablierte Versicherungsunternehmen müssen sich InsurTechs stärker öffnen und durch Kooperationen zu einem partnerschaftlichen Miteinander kommen.

WIE SEHEN SIE DIE ZUKUNFT FÜR FINANZRITTER? WAS SIND IN IHRER STRATEGISCHEN WEITERENTWICKLUNG DIE WESENTLICHEN MEILENSTEINE, DIE ES ZU ERREICHEN GILT?

KÜMPER / In fünf Jahren möchten wir uns vor allem in Deutschland und idealerweise in der gesamten DACH-Region etabliert haben. Dafür verbessern wir unser Produkt konstant technologisch und setzen auf strategische Partnerschaften. Hierfür müssen wir unsere Finanzierung absichern, um nachhaltig investieren zu können. Für unsere Profitabilität ist am Ende das Kundenvolumen ausschlaggebend.

HERR KÜMPER, VIELEN DANK FÜR DAS GESPRÄCH. WIR WÜNSCHEN FINANZRITTER WEITERHIN VIEL ERFOLG!

In unserer Interviewserie mit jungen, innovativen Unternehmen widmen wir uns dem Thema „Digitale Bancassurance“. Einen Überblick unserer Interviews sowie weitere Informationen zu unserer Sicht auf Bancassurance finden Sie hier.

Kontaktieren Sie uns gerne bei Fragen. Wir freuen uns auf den Austausch.