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EU-Wasserstoffstrategie: Das Potenzial von grünem Wasserstoff für die Energiewende

Bis 2050 will die Europäische Union klimaneutral sein – dafür muss Europa den CO2-Ausstoß fossiler Energieträger drastisch reduzieren. Bislang entfallen darauf rund drei Viertel der Treibhausgasemissionen der EU.

Um die ambitionierten Klimaziele zu erreichen, ist ein Paradigmenwechsel nötig. Das Energiesystem der EU muss flexibler werden und in der Lage sein, die saubersten und kosteneffizientesten Lösungen zu nutzen. Die Herausforderungen sind groß. Zur Erreichung der Klimaziele müssen der Energieverbrauch gesenkt, die Sektoren Strom, Wärme und Verkehr miteinander verknüpft und der Energiebedarf von Haushalten und Industrie flexibel gesteuert werden. Man nennt dies ein integriertes Energiesystem.

Eine wichtige Rolle bei der Hinwendung zu einem solchen Energiesystem spielt Wasserstoff. Insbesondere grüner Wasserstoff, der durch Elektrolyse gewonnen wird, ist von großer Bedeutung für die Energiewende. In ihrer Wasserstoffstrategie formuliert die EU-Kommission, wie die Ziele verfolgt werden sollen.

Die EU-Ziele der Elektrolysekapazität fasst die Kommission wie folgt zusammen:

  • Bis 2024: 6 GW installierte Leistung – Erzeugung von bis zu 1 Mio. Tonnen grünem H2
  • Bis 2030: 40 GW installierte Leistung – Erzeugung von bis zu 10 Mio. Tonnen grünem H2

Dass all diese Ziele nicht von heute auf morgen erreicht werden können, liegt nahe. In der Übergangsphase sind daher neben dem durch Elektrolyse gewonnenen grünen Wasserstoff auch andere Formen wie etwa blauer Wasserstoff nötig. Blauer Wasserstoff hat einen fossilen Ursprung, bei der Herstellung wird jedoch freiwerdendes CO2 aufgefangen.

Ausbau der Elektrolysekapazität ist teuer

Mit dem Ausbau der Elektrolysekapazität zur Gewinnung grünen Wasserstoffs sind hohe Kosten verbunden. Laut Schätzung der EU-Kommission belaufen sich die Kosten in der Europäischen Union bis 2030 auf:

  • Elektrolysekapazität: 24-42 Mrd. EUR
  • Installation von Wind- und Photovoltaik-Anlagen sowie Anbindung an Elektrolyseure: 220-340 Mrd. EUR
  • Lagerung und Transport: 65 Mrd. EUR
  • Hinzu kommen Kosten in den jeweiligen Anwendungsgebieten

Es ist das erklärte Ziel der EU-Kommission, dass private Investoren gefunden werden, die die notwendigen finanziellen Mittel bereitstellen. Selbstredend erfahren sie durch die EU und nationale Förderungen Unterstützung. 

Breit gefächert: von der EU angedachte Anwendungsgebiete

Grüner Wasserstoff kann in einem integrierten Energiesystem in ganz Europa die Dekarbonisierung von Strom, Verkehr und Industrie unterstützen. Er bietet eine große Auswahl an Anwendungsbereichen: 

Energieintensive Industrie (Einsatz insbesondere dort, wo Prozesse nicht elektrifiziert werden können):

  • Stahlerzeugung
  • Chemie
  • Mobilität
  • Speicherung von erneuerbarer Energie

Positiver Nebeneffekt: Schaffung von Arbeitsplätzen

Neben der positiven Auswirkung auf Klima und Umwelt gibt es noch einen weiteren Aspekt, der für die gesamte Europäische Union essentiell ist: Schätzungen zufolge werden im Jahr 2050 etwa 1 Mio. Arbeitsplätze direkt oder indirekt an der Nutzung von grünem Wasserstoff hängen. Für den EU-Arbeitsmarkt bedeutet das ein enormes Potenzial. 

Fazit: Wasserstoff birgt große Chancen für Energiewende

Entscheidend für den Erfolg und den Ausbau der Kapazitäten sowohl auf europäischer als auch auf nationaler Ebene ist die Kostenentwicklung. Die derzeitigen Herstellungskosten von etwa 5,50 Euro pro Kilogramm für grünen Wasserstoff sind gegenüber fossilen Brennstoffen nicht wettbewerbsfähig. Die abnehmenden Kosten für Strom aus erneuerbaren Energien, insbesondere für Strom aus Offshore-Windkraftanlagen, wirken sich positiv auf die Wasserstoffentwicklung aus. 

Die EU-Wasserstoffstrategie gibt den EU-weiten Rahmen und die richtige Richtung auf dem Weg zur CO2-Neutralität vor. Die Ziele stehen im Einklang mit der nationalen Wasserstoffstrategie und werden durch diese noch konkretisiert. Damit liefern sie wichtige Leitplanken für die zukünftige Entwicklung. Jedoch werden erst die kommenden Monate und Jahre zeigen, ob es bei den politischen Ambitionen bleibt oder tatsächlich Fortschritte realisiert werden können. Nach derzeitigem Stand muss noch viel passieren, damit Wasserstoff eine zentrale Rolle im zukünftigen Energiesystem spielen kann.
 

Schwenzer, A. 

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