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CxO-Studie bestätigt: Unternehmenstransformation essenziell zur Krisenbewältigung

Noch nie war so viel Bewegung in den Märkten wie heute: Krisen wie der Ukraine-/Russland-Konflikt, explodierende Energiekosten, akute Lieferkettenengpässe, die COVID-19-Pandemie oder die anhaltende Inflation stellen viele Unternehmen nicht nur in diesem Jahr vor besonders große Herausforderungen. Damit Organisationen die verschiedenen, sich überlagernden Risiken und Herausforderungen meistern, müssen sie sich flexibel aufstellen und den Wandel aktiv gestalten. So sind sie auf die Zukunft vorbereitet. Dies wird auch in den Ergebnissen unserer CxO-Studie deutlich.

Erneut haben wir in diesem Jahr für unsere CxO Priorities Study 280 globale Entscheiderinnen und Entscheider getroffen und mit ihnen über die aktuellen Branchentrends, Herausforderungen, Absatzerwartungen sowie ihre strategischen Prioritäten gesprochen. Aus den über 200 Gesprächsstunden konnten wir viele spannende Erkenntnisse ableiten, die kurz- oder mittelfristig eine Transformation des jeweiligen Unternehmens bzw. Geschäftsmodells erfordern. Diese stellt somit die wichtigste Herausforderung dar, der sich Führungskräfte stellen müssen. Zu unserer Studie haben Unternehmen verschiedenster Größen und Branchen beigetragen, von der Banken- und Baubranche bis hin zu großen Energieversorgern sowie Verkehrs- und Logistikunternehmen.  

Transformation weiterhin als strategische Priorität

Selbst Unternehmen, die in den nächsten Jahren ein gewisses Umsatzwachstum erwarten, blicken dennoch mit Unsicherheit in die Zukunft. Die steigenden Rohstoff- bzw. Materialbeschaffungskosten sowie Lieferengpässe führen dazu, dass Organisationen die Nachfrage nach ihren Produkten nicht mehr vollständig oder gar nicht bedienen können. Gleichzeitig verschärft sich der Rohstoffmangel immer mehr und es wird beispielsweise durch Lockdowns oder den Ausfall von Lieferrouten herausfordernder, Rohstoffe zu beziehen. Dies und die aktuell massiv steigenden Energiekosten bedrohen die realisierbaren Margen. Für viele Unternehmen kann die Mischung aus externen Einflüssen und makroökonomischen Schocks toxisch, sprich existenzbedrohlich werden. Auch wenn Viele das schon geahnt haben – unsere Studie hat dies nochmals in hohem Maße untermauert. 

In unseren Gesprächen mit den Entscheiderinnen und Entscheidern haben sich ganz klare Prioritäten für die CxOs herauskristallisiert. Diese spielen eine tragende Rolle, wenn es darum geht, das Unternehmen zu transformieren und die mittel- und langfristigen Unternehmensziele zu erreichen. So muss die Neuausrichtung bzw. Weiterentwicklung des Geschäfts- und Wertschöpfungsmodells und die strategische Planung in Einklang mit operativer Exzellenz gebracht werden, ohne die Mannschaft zu verlieren. Bestehende Profit- und Kostenstrukturen sowie Organisation und Prozesse zu optimieren oder Beschaffungsstrategien zu überarbeiten und als unabdingbaren Bestandteil einer Transformation zu verstehen, gewinnt angesichts der jüngsten Entwicklungen und hohen Unsicherheiten auf den Märkten täglich an Relevanz.  

Im Grunde haben uns die Führungskräfte die Kernherausforderung einer jeden Transformation gespiegelt: Das laufende Geschäft so aufzustellen, dass die Freiräume und Mittel geschaffen werden, um das künftige Geschäftsmodell aufbauen zu können. Parallel dazu muss das technologische, personelle und kulturelle Fundament des Unternehmens reibungslos umgebaut werden. Diese drei Elemente – wir nennen sie Shape, Create und Empower – fortwährend entlang eines oft jahrelangen Transformationspfads auszubalancieren, das ist die Königsdisziplin der CxOs.

Heiko Fink, Partner für Transformation, Organisation & Change

Vier Treiber des strategischen Wandels

Vier grundlegende Treiber der Transformation sind aus Sicht der Top-Entscheiderinnen und Entscheider besonders relevant. Während die grüne und digitale Transformation bereits in den vorherigen Jahren wichtige Prioritäten waren, hat die COVID-19-Pandemie dazu geführt, dass das Feld New Work im Vergleich zum Vorjahr weiter nach oben gerutscht ist. Ebenfalls in diesem Jahr an Bedeutung gewonnen hat Cyber Security, also der Schutz gegen die steigende Anzahl von Hackerangriffen. Auch wenn die gegenwärtigen geopolitischen Entwicklungen noch gar nicht in die CxOs-Interviews eingeflossen sind, wurde durchweg deutlich: „Business as usual“ wird es in vielen Firmen oder ganzen Branchen so nicht mehr geben bzw. geben können. 

Digitale Transformation 
Die digitale Transformation ist bereits zum dritten Mal in Folge nach 2020 und 2021 zum Zeitpunkt der Interviews die Top-Priorität der CxOs. Sie wird von 95% der Befragten als wichtig oder sehr wichtig empfunden. Wie sah Ihr Arbeitsalltag im vergangenen Jahr aus? Haben auch Sie vermehrt im Homeoffice gearbeitet? Hat Ihr Unternehmen nach nunmehr drei Jahren Corona-Pandemie den Sprung in Richtung digitale Arbeit geschafft? Dass selbst nach so langer Zeit noch nicht jeder restlos mit „ja“ antworten wird, zeigt, wie viel Aufholbedarf besteht und wie omnipräsent die Digitalisierung in allen Unternehmen ist.  

Digitalisierung kann sich in verschiedenen Dimensionen zeigen. Beispielsweise darin, Produktions- und Backoffice-Prozesse zu digitalisieren und zu automatisieren (Shape), die Customer Experience sowie Produkte und Services neu zu kreieren (Create) oder hybride Arbeitsformen durch entsprechende digitale und technische Infrastruktur zu ermöglichen (Empower). Dabei wächst die Ungeduld während der langen Laufzeit von Digitalisierungsprojekten. Der Fokus des Managements verschiebt sich immer deutlicher dahin, dass die gesetzten Ziele auch erreicht und die gewünschten Effekte, Potenziale und Effizienzen gehoben werden. Es braucht mehr Beschleunigung, um den stetig wachsenden Marktanforderungen in einem immer dynamischeren Umfeld gerecht zu werden.  

Cyber Security 
Neu auf der CxO-Prioritätenliste ist das Thema Cyber Security. Die hohe und stetig steigende Anzahl an Hackerangriffen und die damit einhergehenden Risiken für das operative Geschäft, sind für die CxOs bedeutend: Cyber Security wird von 62% der befragten Entscheiderinnen und Entscheider als sehr wichtig und von 29% als wichtig eingestuft. Dabei gewinnt dieses Thema auch deshalb immer mehr Aufmerksamkeit des Top-Managements, da die Cyberattacken und die Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit des eigenen Unternehmens medial präsenter werden.  

Von zunehmenden Hacker-Angriffen sind Unternehmen jeder Größe betroffen. Allerdings bestehen große Unterschiede zwischen den Industrien. Während Banken und Versicherungen sich bereits seit vielen Jahren mit Cyber Security beschäftigen, gibt es beispielsweise im produzierenden Gewerbe noch großen Nachholbedarf. Grundsätzlich ist es hier für Unternehmen wichtig, sich nicht nur um Cyber Security zu kümmern, sondern sich auch die Frage zu stellen, wie sie sich resilienter aufstellen können. Wie also im Falle eines Hackerangriffs das operative Geschäft aufrechterhalten werden kann – und das ist keine Frage an die IT-Abteilung. Denn diese Herausforderung lässt sich nur meistern, wenn das gesamte Unternehmen, alle relevanten Funktionen, Prozesse, Systeme und ggf. Partner in die Entwicklung resilienter Cyber-Security-Konzepte einbezogen werden. 

Ökologische Nachhaltigkeit von Strategien und Aktivitäten 
Auch in diesem Jahr ist das nachhaltige Handeln wieder eine der Top-3-Prioritäten der CxOs. Nicht nur in der subjektiven Wahrnehmung der Befragten wird dem Thema eine hohe Priorität zugeschrieben, sondern nachhaltiges Handeln entlang der gesamten Wertschöpfungskette wird zunehmend auch von den Kundinnen und Kunden erwartet. Gleichzeitig schnürt die Politik auch das regulatorische Korsett immer enger. Basierend auf dem sogenannten Kano-Modell hat sich nachhaltiges Handeln von einem Begeisterungsfaktor zu einem Basis- oder zumindest kritischen Leistungsfaktor gewandelt. Auch wenn ca. 70% der Unternehmen sich das klare Ziel der CO2-Neutralität bis 2030 gesetzt haben, bleibt hervorzuheben, dass nur knapp die Hälfte ein definiertes Nachhaltigkeits-Zielbild bzw. eine passende Strategie hat. Es besteht also dringender Aufholbedarf. Ebenso wird ein klarer Bedarf zur Sensibilisierung attestiert. Nachhaltigkeit hat auch positive Auswirkungen auf digitale und effizientere Prozesse und fördert etwa die Nutzung von Synergien. Themen wie Circular Economy, Dekarbonisierung oder Energieeffizienz tragen demnach zur Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens bei. 

Mitarbeiterbelange und New Work 
Durch die COVID-19-Pandemie verstärkt, hat das Thema New Work im Vergleich zum vergangenen Jahr nochmals an Relevanz aus Sicht der CxOs gewonnen: 85% der Befragten ordnen dieses Thema als wichtig oder sehr wichtig ein. Auch wenn die digitale Zusammenarbeit in den letzten Jahren größtenteils funktioniert hat, gehen die Meinungen weit auseinander, wie effizient diese tatsächlich ist. Gleichzeitig stehen viele Unternehmen vor dem Dilemma, auf der einen Seite hohen Ergebnisdruck zu haben, auf der anderen Seite aber auch nicht zu viel Druck auf Mitarbeitende ausüben zu wollen. Daher gilt es jetzt für Unternehmen, anhand der Entwicklungen der letzten Jahre zu reflektieren und zu entscheiden: welche hybriden Arbeitsformate waren besonders effizient und bei welchen Arbeitsformaten waren deutliche Qualitäts- oder Zeitverluste zu verspüren. Zudem wird es für Unternehmen immer wichtiger, sich zu positionieren. So muss entschieden werden, wie die Unternehmensinfrastruktur zukünftig aufgestellt werden soll, zu welchem Grad die Mitarbeitenden in der digitalen Zusammenarbeit unterstützt werden und welche New-Work-Angebote gemacht werden sollen, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken und neue Talente zu gewinnen.  

Auch die diesjährigen Top-Prioritäten der CxOs zeigen, dass die drei strategischen Imperative Shape, Create und Empower der Transformation erfolgskritische Ankerpunkte sind. So lassen sich Transformationen erfolgreich meistern – und zwar unabhängig von den im konkreten Fall relevanten Treibern der Veränderung.  

Sie sind neugierig geworden und wünschen sich verschiedene Beispiele wie Organisationen unterschiedlicher Industrien dem Wandel erfolgreich begegnet sind? Hier haben wir mehrere CEOs zu den Erfolgsfaktoren und ihrem Vorgehen interviewt. 

Schnöbel, C.