Horváth Innovation Insights

LEGO® SERIOUS PLAY® – Geschäftsleute, die mit Steinchen spielen?

Immer wieder tauchen auf LinkedIn oder Xing Bilder von gestandenen Businessmenschen in Anzug oder Bleistiftrock auf, die um einen Tisch voller Legosteine stehen, daneben eine Wand mit Post-its. Ist das nur eine Erscheinung, die von agilen Coaches und New-Work-Aposteln gepredigt wird? Der Fakt, dass die LEGO®-SERIOUS-PLAY®-Methode von Wissenschaftlern entwickelt wurde, lässt erahnen, dass weitaus mehr dahintersteckt.

Was steckt hinter dem Mythos?

Anders als die propagierten Bilder von Workshops hinter modernen Glasfassaden und rauen Betonwänden vermuten lassen, wurde LEGO® SERIOUS PLAY® bereits 1996 entwickelt. Die Intention war, klassische Strategieprozesse aufzubrechen und kreativere Ideen ans Licht zu bringen. Zusammen mit zwei Professoren hat Kjeld Kirk, der damalige CEO der Lego Group, die Methode in einem iterativen Prozess innerhalb von acht Jahren zu dem gemacht, was wir heute kennen.

Doch was kennen wir heute eigentlich genau? Das Konzept von LEGO® SERIOUS PLAY® umfasst ein Set aus vielfältigen Legosteinen – von klassischen Platten und Bausteinen bis hin zu textilen Verbindungsstücken, Tieren, Menschen und Fahrzeugen – und einem sogenannten Facilitator, dem Moderator, der den Prozess als Außenstehender unterstützt. Die Methode sieht vor, ernste Themen spielerisch mit den Händen zu bearbeiten und dabei neue Gedanken zu entwickeln. Komplexe Probleme werden greifbarer mit Hilfe von Metaphern, gebaut aus Steinen, und dienen als Grundlage für Gruppendiskussionen, Wissensaustausch und Problemlösungen. Sie helfen, kreatives Denken zu fördern und einzigartige Lösungen zu finden.

In wenigen Stunden völlig neue Erkenntnisse entwickeln

Ein typischer LEGO®-SERIOUS-PLAY®-Workshop gliedert sich in vier spezifische Phasen:

1. Einführung durch den Facilitator
Der Moderator stellt den Workshopablauf kurz vor, erklärt die Methode und gibt einen ersten Rahmen zusammen mit den Grundregeln im Umgang mit den Steinen vor.

2. Warm-up-Phase
Um sich mit den Steinen vertraut zu machen und einen Überblick über die verschiedenen Elemente zu erhalten, werden einfache Figuren konstruiert. Die Hände werden sozusagen „warm gedacht“. Mit jedem neuen Auftrag nähern sich die Teilnehmer dem Kernthema des Workshops an.

3. Metaphorische Baurunden
Nach einem ersten Auftrag oder ersten Fragen durch den Moderator bauen die Workshopteilnehmer darauf bezugnehmend Modelle mit den zur Verfügung stehenden Steinen. Wichtig ist hierbei, dass nicht das beste oder schönste Ergebnis zählt, sondern die Geschichte dahinter. Es folgt eine kurze Präsentation dieser Hintergrundstory. So kann beispielsweise eine große Mauer zwischen den Kunden eines Unternehmens und seinen Mitarbeitern gebaut werden oder ein Elefant, der eine Brücke blockiert, was sinnbildlich für die Abwehr jeglicher neuen Ideen im Unternehmen steht. Die Ergebnisse und Erkenntnisse, die so entstehen, werden im Plenum reflektiert und angereichert. Abhängig von der Fragestellung folgen weitere Baurunden, initiiert durch neue oder weiterführende Fragestellungen.

4. Festhalten der Erkenntnisse
Die in den Baurunden entstandenen Ideen und Einblicke werden auf die zugrundeliegende Fragestellung zurückgeführt und ein Bezug zur realen Situation hergestellt. Die Ergebnisse werden textuell als auch über Fotos der Modelle festgehalten.

Mit Hilfe dieser Methode werden häufig in der Realität bestehende Limitationen überdacht. Das macht LEGO® SERIOUS PLAY® wertvoll – gerade für die Strategieentwicklung und für Innovationsprojekte.

Ein Legokarton voller (unerwarteter) Möglichkeiten

Allein sechs wissenschaftliche Abhandlungen wurden über die Wirkungsweise von LEGO® SERIOUS PLAY® publiziert. Darin wird der Erfolg der Methode auf Basis von vier Grundpfeilern begründet: Konstruktivismus, Spiel, Vorstellungskraft und Identität. Kaum ein anderer Prozess wirkt anregender auf all diese vier Elemente – das ist das Geheimnis hinter den Steinen. Es entstehen vielfältige Mehrwerte aufgrund dieses Zusammenspiels:

1. Die Bausteine dienen als Kommunikationsplattform. Da Worte bei verschiedenen Personen(-gruppen) häufig unterschiedlich konnotiert sind, können Legosteine das Verständnis und die Transparenz der Inhalte hinter den Worten fördern. Außerdem wirken die Steine im Kommunikationsprozess integrativ – auch für solche Workshopteilnehmer, die sonst seltener zu Wort kommen oder sich nicht trauen, Herausforderungen offen anzusprechen.

2. LEGO® SERIOUS PLAY® ist ein Gruppenprozess, an dem jeder teilhat. Alle Teilnehmer bringen sich in den Bauprozess ein und teilen ihre Ideen. Diese Art der Erarbeitung schafft ein gemeinsames, einheitliches Verständnis für das Problem und die Lösung, steigert die Einsatzbereitschaft bei der späteren Umsetzung und die Identifikation mit dem Ergebnis.

3. Auch die physische Komponente des Modellbaus darf nicht unterschätzt werden. Greifbare Modelle helfen, bisher unbedachte Problemaspekte oder Lösungsansätze aufzuzeigen. Ideen, Strategien und Geschäftsmodelle werden in physischer, haptischer Form generiert und können im zweiten Schritt gedanklich getestet werden.

4. Das Hauptmotiv für die Auswahl der Methode liegt allerdings meistens im offensichtlichsten Vorteil: der Kreativitätssteigerung. Gerade aufgrund der Verbindung der Gedankenwelt und Vorstellungskraft mit dem händischen Konstruktivismus entstehen völlig neue Ideen und Ansätze, die unter anderen Umständen unentdeckt geblieben wären.

Horváth & Partners Innovation Services

LEGO® SERIOUS PLAY® eignet sich also zusammenfassend besonders bei der Entscheidungsfindung unter Unsicherheit, zur Bearbeitung komplexer Problemstellungen, zur Schaffung konstruktiver Arbeitsatmosphären, zur Visualisierung von Ideen und zur Erarbeitung neuer Lösungsansätze, die alle Beteiligten involviert.

Da die Methode in vielfältigen Situationen Anwendung finden kann, lässt sie sich nicht auf ein spezifisches Leistungsfeld reduzieren. Sie unterstützt bei der Ideation, Geschäftsmodellentwicklung, Entwicklung von Leitbildern und Strategien, Durchführung von Wettbewerbsanalysen, Darstellung von Zukunftswelten für Szenarien, Visualisierung von Customer Journeys, beim Changemanagement, Teambuilding, Testen und Generieren von Produkt- und Serviceideen sowie bei der Analyse von Organisationshindernissen.

Wenn Sie nun neugierig geworden sind und auch Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit bunten Legosteinen in Aktion sehen möchten, wenden Sie sich an uns. Wir informieren Sie zur Methodik und zu erfolgreichen LEGO®-SERIOUS-PLAY®-Workshops.

Horváth & Partners
E-News

Jetzt anmelden