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Interview mit Dr. Jürgen Sturm

Interview mit Dr. Jürgen Sturm

Augmented
Reality for
Mobile Phones

Dr. Jürgen Sturm, Google Germany

 

Was wäre wenn Ihr Smartphone die Welt um sich herum in 3D wie ein Mensch wahrnehmen könnte? Stellen Sie sich vor, welche Anwendungen das ermöglichen würde: Augmented Reality Spiele, die in der direkten Umgebung spielen, Navigation, Gebäudeinformationssysteme oder Anwendungen in der Robotik. Eine besondere Herausforderung stellt die Verarbeitung der immensen Datenmengen dar, die nur mittels fortgeschrittener Machine Learning-Algorithmen bewältigt werden können.

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Dr. Jürgen Sturm ist Senior Software Engineer bei Google und arbeitet zusammen mit seinem Team an Algorithmen zur 3D-Rekonstruktion und Szenenanalyse für Augmented Reality. Zuvor war er bei Metaio - dem Pionier für AR - im Bereich Virtual Shopping und Indoor Navigation tätig. Am 8.November wird Dr. Sturm in seiner Keynote auf der BDML über intelligente Smartphones und Visionen für die Zukunft sprechen.

In unserem Interview mit ihm, hat er uns bereits einige Details preisgegeben und zeigt, was mir der AR-Technologie bereits alles möglich ist.

Dr. Sturm, Sie arbeiten seit 2015 bei Google in München an Augmented Reality. Was genau verbirgt sich hinter dem Begriff Augmented Reality und für welche Bereiche ist die Technologie interessant?

Dr. Sturm Augmented Reality heißt, dass wir virtuelle Inhalte in der wirklichen Welt einfügen. Stellen Sie sich zum Beispiel vor, dass Sie ein neues Sofa kaufen wollen. Eine Augmented Reality-App könnte Ihnen dabei helfen, das passende Sofa zu finden und direkt im Kamerabild eingeblendet zu bekommen. Dadurch können Sie sich viel besser vorstellen, ob es in Ihre Wohnung passt. In Project Tango haben wir viele der dafür notwendigen Algorithmen entwickelt. Unser Ziel ist es nun, mit ARCore diese Technologie auf viele Android-basierte Smartphones zu bringen. 

Aus technologischer Sicht müssen wir für Augmented Reality zwei Probleme lösen: Zunächst muss das Smartphone wissen, wo es sich befindet. Diese Komponente nennen wir Motion Tracking bei ARCore. Zweitens müssen wir verstehen, wie die Umgebung um uns herum in 3D aussieht. Das nennen wir Environment Understanding.

Diese Technologie ist der Schüssel zu guter Augmented Reality, aber sie wird uns auch in der Zukunft bei der Entwicklung smarter Geräte helfen. Dies können sie jedoch nur, wenn sie „sehen“ und den Kontext einordnen können. Im Moment scheitert es noch daran, dass die Handys noch nicht verstehen, in welcher Situation sie sich gerade befinden. Man muss den Smartphones von heute noch sehr viel sagen und beibringen, denn zur Zeit erkennen sie nur, wofür wir sie programmiert haben. Hier ist die Hoffnung, dass wir mit Machine Learning mehr über die Welt erfahren und damit dem Nutzer auf sinnvolle Weise helfen können.

„Mit Machine Learning werden wir mehr über die Welt erfahren
und dem Nutzer auf sinnvolle Weise helfen können.“

D.h., in Zukunft könnte man daran denken, auch Künstliche Intelligenz einzusetzen?

Dr. Sturm Auf jeden Fall. Nehmen wir mal ein Beispiel aus dem Smart Home-Bereich: Heute sind wir bereits in der Lage über unsere intelligenten Systeme oder über Sprache Licht ein- und auszuschalten. Das ist schon ziemlich toll, aber wäre es nicht viel besser, wenn es gar nicht nötig sein sollte, einem Raum zu sagen, dass er das Licht ein- oder ausmachen soll? Der Raum könnte doch bereits von allein wissen, wann es Zeit ist, das Licht anzuschalten und in welcher Intensität es leuchten soll, wenn wir beispielsweise lesen oder eingeschlafen sind.  Dies alles kann man jedoch nicht mit „hart-codierten“ Algorithmen erlernen, sondern hier brauchen wir definitiv Machine Learning und Künstliche Intelligenz.

Was sind Hindernisse und Chancen der AR-Technologie? Wo liegt der Bottleneck und was ist heute schon problemlos machbar?

Dr. Sturm Bis vor kurzem war dies noch ein Henne-Ei-Problem, dass es kaum Nutzer gab, die AR-fähige Geräte hatten oder diese von der Qualität her nicht optimal waren. In den letzten Wochen und Monaten hat sich durch ARCore von Google, aber auch durch das ARKit von Apple, viel geändert. Plötzlich ist es möglich, Augmented Reality für die breite Masse zugänglich zu machen. Trotzdem gibt es noch relativ wenig Content hierfür. Es gibt einzelne Apps, die schon sehr gut sind, aber damit sich die Technologie durchsetzen kann, braucht es viel mehr Anwendungen für den Nutzer. 

Was genau bieten denn die ARCore-Geräte für Anwendungen im Alltag eines „normalen“ Nutzers an? Können Sie ein Beispiel nennen oder liegt hier genau das Problem, dass es eben noch nicht genügend nutzerorientierte Applikationen gibt?

Dr. Sturm Ein großes anderes Segment für Augmented Reality sind Games. Hier gibt es sehr viele gute Entwicklungen, die bereits ein sehr hohes Niveau erreichen. Allein am Hype um Pokémon Go im letzten Sommer konnte man sehen, dass hier ein sehr hohes Interesse und Unterhaltungspotenzial liegt. Leider war die Qualität der AR noch nicht sehr hoch, aber ich bin mir sicher, dass wir in Zukunft viel mehr solcher location-based Games sehen werden. Hier sehe ich ein sehr hohes Potenzial. 

Ich persönlich arbeite im Bereich 3D-Rekonstruktion. Dies ermöglicht es uns, 3D-Modelle aufnehmen zu können und viele professionelle Anwendungsfälle, z.B. für Immobilienmakler oder Architekten, umzusetzen. Mit Augmented Reality sind wir in der Lage Gebäudemanagement zu betreiben und Informationen in der wirklichen Welt zu hinterlegen und leicht wieder auf sie zuzugreifen. 

Für den privaten Nutzer kann es ebenfalls interessant sein, ein 3D-Modell von einer Wohnung zu erstellen, zum Beispiel um sie neu einzurichten. 

Vor ein paar Wochen hat Apple sein ARKit vorgestellt, dass es praktisch jedem kostenfrei ermöglicht AR-Anwendungen zu erstellen. Google selbst zieht mit dem ARCore nach. Wo liegen die Unterschiede?

Dr. Sturm Beide Kits sind rein technisch gesehen sehr ähnlich. Sie sind beide mit der gleichen Hardware ausgestattet und smartphonebasiert, damit wirklich jeder Nutzer mit seinem normalen Handy die AR erleben kann. Man braucht natürlich trotzdem einen Entwicklerhintergrund, um AR-Anwendungen zu erstellen. Irgendwann wird es aber sicher Apps geben, mit denen man auch als Nicht-Programmierer simple Anwendungen erstellen kann. Momentan befinden sich jedoch beide Software-Kits noch in der Entwicklungsphase. 

Und inwiefern könnten die beiden Software-Kits bzw. AR im Allgemeinen unser Leben verändern?

Dr. Sturm Ich denke, dass wir hier noch einen weiten Weg gehen müssen. Die Vision von allen, ist ja, dass wir irgendwann eine Brille haben werden, die uns ganz dünn und unauffällig im Alltag unterstützt. Sie sollte uns dann all jene Informationen zur Verfügung stellen, die wir uns sonst umständlich zusammensuchen müssten, sprich Navigation oder zu meinem Gegenüber in Meetings oder Konferenzen. 

Es gibt hierfür aber immer noch enorm viel Forschungsbedarf. Aber auf diesem Weg dorthin, sind Smartphones die beste Alternative. Die Geräte hat jeder in seiner Hosentasche und Teile der bereits bestehenden Anwendungen sind mit ihnen schon sehr gut nutzbar. 

Vielen Dank für Ihre Zeit, Dr. Sturm! Wir freuen uns auf Ihren Vortrag am 08. November in München.


B
ig Data & Machine Learning

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