Clean Vehicles Directive

Dekarbonisierung im Mobilitätssektor erfolgreich umsetzen

Die Überführung der Clean Vehicles Directive (CVD) in die deutsche Gesetzgebung ist beschlossen und wird voraussichtlich im August 2021 verbindlich. Die Direktive setzt erstmals verbindliche Mindestziele für die Beschaffung emissionsarmer sowie -freier Fahrzeuge bei der öffentlichen Auftragsvergabe fest. Betroffen sind Verkehrs- und Mobilitätsdienstleister sowie bestimmte privatrechtlich organisierte Akteure, darunter Paketdienste und Müllabfuhren. Sie haben nun die Aufgabe, ihren Fuhrpark entlang vorgegebener Kriterien auszurichten. Um dies erfolgreich umzusetzen, müssen Entscheidungsträger sich intensiv mit der CVD und den verschiedenen technologischen Möglichkeiten zur Emissionsminimierung ihrer Fahrzeuge befassen.

Umbau der Flotten

Auf emissionsarme Antriebe umstellen

Die Anforderungen von Aufgabenträger, Vertrieb und Operations für herkömmliche Antriebe waren in der Vergangenheit meist transparent und gängig und wurden problemlos von den Verantwortlichen bewältigt. Auch die Beschaffung von Strom-, Batterie- oder Wasserstofffahrzeugen ist aus Einkaufssicht lediglich eine simple Spezifikationsänderung.

Die Clean Vehicles Directive bringt jedoch Komplexität mit sich: Neue Antriebe sind auf Tauglichkeit für das eigene Betriebskonzept zu prüfen und im Business Case aufzunehmen. Die Frage, ob ein Verkehrs-/ Mobilitätsunternehmen seine Flotte auf einen Wasserstoff- oder Batteriebetrieb umstellt, ist weder aus Operations-/ Betriebsperspektive noch aus Sicht des Einkaufs trivial. Neue Technologien müssen über den gesamten Lebenszyklus hinweg betrachtet und mitunter ganze betriebliche Abläufe angepasst werden. Daher sind einige Grundsatzfragen zu beantworten:

  • Welche Technologien passen zum Anforderungsprofil des Unternehmens? (z.B. batteriebetriebene oder wasserstoffbetriebene Busse?)
  • Welche Technologien sind wirtschaftlich am geeignetsten?
  • Welche Anforderungen bestehen bzgl. Infrastruktur und Treibstoff (z.B. Ausbau Ladestationen, Produktionsform und Verfügbarkeit großer Mengen (grünen) Wasserstoffs)?
  • Welche finanziellen Mittel stehen für die Umrüstung zur Verfügung? Kann auf Fördermittel zurückgegriffen werden, und wie können diese beantragt werden?

Risiken herrschen aktuell insbesondere in Bezug auf die Treibstoff-Frage. Daher ist es wichtig, Unsicherheiten bei der Folgekostenabschätzung zu berücksichtigen. Relevant ist dabei beispielsweise der Kostenpfad von Wasserstoff über die nächsten Jahre, der Aufbau einer Wasserstoff-Infrastruktur oder die Lebensdauer alternativ angetriebener Busse.

Wasserstoff als alternativer Treibstoff

In Ökosystemen denken

Basierend auf aktuellen Business-Case-Berechnungen und Szenario-Betrachtungen unserer Kunden im ÖPNV-Bereich wird klar, dass Wasserstoff langfristig das Potenzial hat, sich als alternativer Treibstoff für die Dekarbonisierung von Busflotten zu etablieren. Gleichzeitig wird deutlich, dass viele Unternehmen im Mobilitätssektor wenig Erfahrung mit dem Aufbau von Wasserstoff-Infrastrukturen haben.

Entscheidungsträgern, die Wasserstoff als zukünftigen Treibstoff favorisieren, empfehlen wir, ihre Wertschöpfungskette rückwärts zu denken. Dabei sollten sie prüfen, ob das heutige Kompetenzprofil des Unternehmens die zukünftigen Anforderungen aller Stufen der Wasserstoff-Wertschöpfungskette abdecken kann – von der Erzeugung über den Transport bis zur Anwendung. Wenn dies nicht zutrifft, sind Partnerschaften zur Ergänzung fehlender Kompetenzen unabdingbar. Um die Lieferung, Lagerung und Versorgung grünen Wasserstoffs für bestehende Betriebshöfe sicherstellen zu können, sind beispielsweise Kooperationen mit Energieversorgern sinnvoll. Hierbei empfiehlt es sich, Synergien zu bündeln und gemeinsame Initiativen zur Produktion, Lieferung sowie Lagerung von Wasserstoff im Sinne des Ökosystem-Gedankens zu entwickeln.

Best Practices und Kompetenz

Veränderungsprozesse erfolgreich gestalten

Im Zuge des Umstiegs auf alternative Antriebe stoßen Verkehrsbetriebe auf neue Herausforderungen, etwa in Bezug auf Mischflotten. Das bedeutet: Sie müssen den Betrieb konventioneller Dieselantriebe in Kombination mit alternativen Antrieben sicherstellen. Um diesen Umstieg erfolgreich gestalten zu können, ist es wesentlich, die Infrastruktur sowie die Kompetenzen innerhalb des Unternehmens zu erweitern. Die Ausstattung der Betriebshöfe mit Wasserstoff-Tankstellen, Sicherheitsvorkehrungen in Werkstätten sowie Schulungen der Mitarbeiter im Umgang mit Wasserstoff sind beispielhafte Maßnahmen hierfür.

Gemeinsam mit unseren Kunden erarbeiten wir aktuell Strategien zur Dekarbonisierung bestehender Fahrzeugflotten, um die Mindestanforderungen der Clean Vehicles Directive erzielen zu können. Dabei kommen Machbarkeitsstudien, Business-Case- und Szenarioanalysen sowie Infrastruktur-Betriebskonzepte zum Einsatz. Darüber hinaus unterstützen wir umfassend hinsichtlich der Fördermittel – von der Identifizierung bis zur Einreichung und Begleitung des Antragsprozesses.

Unser interdisziplinäres Team aus Energie- und Transportexperten bringt fundierte Erfahrung in den relevanten Themengebieten rund um die Dekarbonisierung im Mobilitätssektor sowie aus aktuellen Projekten zum Thema Clean Vehicles ein.

Gerne diskutieren wir Ihre Fragestellungen in einem persönlichen Gespräch mit Ihnen.