Interview mit Alexander Bojer, ANIVO

ANIVO SETZT AUF „BANCASSURANCE AS A SERVICE“

ANIVO bietet „Bancassurance as a Service“ - laut Co-Gründer und Geschäftsführer Alexander Bojer die erfolgreichste Bancassurance Lösung der Schweiz. 2015 startete ANIVO mit dem Ziel, mehr Transparenz in den Versicherungsmarkt zu bringen. Als unabhängiges Online-Vergleichsportal ermöglicht es ANIVO verschiedenste Angebote von Schweizer Versicherungen zu vergleichen.

Im Interview mit Horváth & Partners erzählt Alexander Bojer, was ihn zur Gründung von ANIVO bewogen hat, wie er die Entwicklung der Schweizer Versicherungsbranche und von Bancassurance-Kooperationen einschätzt und welche Rolle ANIVO zukünftig spielen wird.

HERR BOJER, WAS WAREN IHRE BEWEGGRÜNDE ANIVO ZU GRÜNDEN?

BOJER / Die Gründung von ANIVO war vielmehr ein langer Findungsprozess, als eine von Anfang an fertig ausgereifte Geschäftsidee. Zusammen mit meinem Kollegen Werner Flatz (Co-Gründer und Chief Technical Officer) war der Plan zunächst ein allgemeines Online-Vergleichsportal aufzubauen. Trotz ausgefeilter IT und teurer Marketinginvestitionen hat sich jedoch anfangs niemand für unser Portal interessiert. Daraufhin schwenkten wir auf ein B2B2C-Modell um und fingen an, Versicherungen im Intranet von Großfirmen zu verkaufen. Unser erster Auftrag war ein Großauftrag der Schweizer Bundesbahn (SBB). Anschließend konnten wir viele weitere Großkunden gewinnen und ANIVO stetig zu seiner heutigen Form ausbauen.

WIE KANN SICH ANIVO TROTZ DIGITALISIERUNGSBESTREBUNGEN DER GROSSEN TRADITIONSFIRMEN UND EINER ANHALTEND STARKEN INSURTECH-BEWEGUNG AM MARKT DURCHSETZEN?

BOJER / Wir zeichnen uns durch die Kombination aus hervorragender IT und persönlicher Beratung aus. Mithilfe unserer Software haben Kunden die Möglichkeit, komplexe Versicherungsprodukte transparent zu vergleichen. Nichtsdestotrotz glauben wir fest an die Notwendigkeit persönlicher Beratung. Zum Beispiel geht es bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung um die Frage, wie das Leben in fünf oder zehn Jahren aussehen könnte. Hier können wir ergänzend zu unserem Online-Service alle offenen Fragen klären. Gleichzeitig bietet uns die persönliche Beratung große Cross- und Up-Selling-Potenziale.

SIE HABEN GEMEINSAM MIT DER BASELLANDSCHAFTLICHEN KANTONALBANK (BLKB) UND DEN BASLER VERSICHERUNGEN EINE BANCASSURANCE-PLATTFORM ENTWORFEN. WAS WAREN DIE BEWEGGRÜNDE DAZU?

BOJER / Bancassuance, welches die gemeinsame Produktentwicklung von Banken und Versicherern beschreibt, war in der Schweiz lange Zeit kein Thema. Der CEO der BLKB war der Erste, der die Reaktivierung von Bancassurance initiiert hat. Unsere Technologien bieten für die BLKB große Chancen, Versicherungsprodukte gezielt im Kontext von Wohneigentum im Rahmen einer Hypothekarberatung anzubieten. Zusammen konnten wir beispielsweise Produkte entwickeln, die sich durch Relevanz und hohe Kundenfreundlichkeit auszeichnen. Unsere Produkte sind monatlich kündbar, benötigen keine physische Unterschrift und kommen ohne die Beantwortung komplexer Fragen aus.

WIE UNTERSCHEIDET SICH IHRE „BANCASSURANCE AS A SERVICE“-LÖSUNG VOM KLASSISCHEN BANKVERTRIEB?

BOJER / Wir haben die Möglichkeit selbst komplexeste Produkte innerhalb von 4-8 Wochen technisch abzubilden und den Endkunden anzubieten. Wir bauen die Kernkomponenten des Produktes auf unserer Plattform auf, betreuen diese 1:1 und spielen den Versicherungen und Banken die Daten zu. Dementsprechend ist es für unsere Partner spielend einfach Produkte aufzubauen, sie am Markt zu testen und die Reaktionen am Markt auszuwerten, ohne den Bankenvertrieb zu nötigen, Versicherungen zu vertreiben und ohne die bestehenden IT-Systeme von Banken und Versicherungen zu beanspruchen. Diese Produktentwicklungs- und Feedbackmöglichkeiten sind einzigartig und über den herkömmlichen Bankenvertrieb so nicht möglich.

DIE KOOPERATION MIT ATTRAKTIVEN PARTNERN IST EINE WESENTLICHE SÄULE IHRER GESCHÄFTSSTRATEGIE. WAS WÜRDEN SIE SICH VON BANKEN UND VERSICHERUNGEN WÜNSCHEN, UM NOCH BESSER MIT IHNEN ZUSAMMENARBEITEN ZU KÖNNEN?

BOJER / Ich bin davon überzeugt, dass Banken ihre Daseinsberechtigung in Zukunft erklären müssen. Traditionell ist es so, dass Versicherungsunternehmen den Banken sehr hohe Listing-Gebühren zahlen mussten. Doch nun gilt es umzudenken und gemeinsam datenbasiert für den Kunden bestmögliche Angebote zu schaffen. Selbst exklusive Partnerschaften werden nicht mehr möglich sein. Bei Versicherungsunternehmen liegt der Fokus auf der Fragestellung, wem der Kunde gehört. Für uns ist klar, dass der Kunde der Bank gehört, jedoch ist es den Kunden egal, ob auf Verträgen Allianz, Zurich oder Generali steht. Bei einer erfolgreichen Bancassurance-Lösung gilt die Unterscheidung nach Leistungen, Einfachheit und Convenience und nicht mehr nach dem Logo des Versicherungsunternehmens bzw. des Anbieters.

WO WOLLEN SIE MIT ANIVO IN FÜNF JAHREN STEHEN UND WELCHE WESENTLICHEN MEILENSTEINE SEHEN SIE?

BOJER / Unsere Kernstrategie fußt auf kundenzentrierten Produkten, effizienten Vertriebsstrukturen und kontinuierlicher technologischer Verbesserung. Wenn wir diese drei Themen im Griff behalten, sind wir für die Zukunft gut gerüstet. In vielen Industrien sehen wir zurzeit den Trend einer Entwicklung von reinen Lieferanten hin zu vollintegrierten Ökosystem-Plattformanbietern. Dasselbe gilt für eine plattformbasierte Bancassurance, die Kunden besseren Service bieten kann als im traditionellen Versicherungsumfeld. 

Inhaltlich fokussieren wir uns in Zukunft verstärkt auf neue Plattformpartner, die nahe am Kunden sind und über deren Primärprodukte wir Versicherungen ankoppeln können. Darüber wollen wir unser Produktportfolio für Retailkunden und ihr Wohneigentum erweitern und Aspekte wie zum Beispiel Kredite einbinden. Spannend sind für uns auch kleinere und mittlere Unternehmen (KMUs). Natürlich wollen wir uns neben der Schweiz, in der gesamten DACH-Region etablieren. 

VIELEN DANK HERR BOJER FÜR DAS GESPRÄCH. WIR WÜNSCHEN IHNEN WEITERHIN VIEL ERFOLG.

In unserer Interviewserie mit jungen, innovativen Unternehmen widmen wir uns dem Thema „Digitale Bancassurance“. Einen Überblick unserer Interviews sowie weitere Informationen zu unserer Sicht auf Bancassurance finden Sie hier.

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