Strategy Bites

Der strategische Kurzschluss

Von der strategischen Analyse unmittelbar in die Maßnahmenableitung springen? Keine gute Idee.

Viele Strategieprozesse sehen ungefähr so aus: Erst: Durchführung einer strategischen Analyse. Anschließend: Ableitung des Aktionsprogramms. Vision, Mission, Leitsätze, Geschäftsmodell und Zielsystem durchsprechen? Fehlanzeige. Ein solches Vorgehen birgt das Risiko, wichtige strategische Fragestellungen zu übersehen.

Insbesondere sehr »aktionsgetriebene« Manager unterliegen der Versuchung, Strategieprozesse möglichst knapp zu halten, um sich schnell wieder dem operativen Geschäft zuwenden zu können. Nachdem sie sich – mehr oder weniger intensiv und überzeugt – mit den Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken ihres Verantwortungsbereiches auseinandergesetzt haben, gehen sie nahtlos dazu über, Aktionsprogramme festzulegen.

Strategische Reflexion statt Aktionismus

Den unmittelbaren Sprung von der SWOT-Analyse zur Maßnahmenplanung nenne ich den »strategischen Kurzschluss«. Denn wenn direkt aus der strategischen Analyse ein Aktionsprogramm abgeleitet wird, so fehlt in aller Regel die übergreifende, begeisternde Geschichte, welche eine gute Vision und Mission liefert. Es fehlt das ausreichende Durchdenken der Wirkungen auf das Geschäftsmodell als Ganzes. Und es fehlt eine klare Ableitung eines konsistenten Zielsystems, um Handlungen Prioritäten geben zu können. Diese ausschnitthafte Strategiearbeit ist Aktionismus pur statt strategischer Reflexion. Die Genugtuung zu handeln übertrumpft die Mühen, aber auch die Belohnungen der strategischen Diskussion.

Besonders kritisch wird es, wenn die Behebung von Schwächen die Diskussion zeitlich und emotional dominiert – was fast immer der Fall ist. Gegen die Behebung von Schwächen ist natürlich nichts zu sagen, und wer »besser« werden will, muss konsequent an seinen kleinen oder großen Schwächen arbeiten. Doch die Frage nach dem »Anderswerden«, die Suche neuer konzeptioneller Herangehensweisen im Markt, wird durch die Fokussierung auf das »Besserwerden« in den Hintergrund gedrängt. Statt einer zukunftsfähigen Vorgehensweise entsteht ein reines Schwächenbehebungsprogramm unter einem Deckmäntelchen namens Strategie. Aktionismus gewinnt die Oberhand.

Keine Strategie, keine Orientierung

Das kann eine Weile lang gut gehen. Doch mit der Zeit wird – in der Regel unbemerkt – die Marktstärke des ursprünglichen Geschäftsmodells im Trubel der aktionsgetriebenen An- und Umbaumaßnahmen abgeschwächt. Und so verliert die Organisation das Gefühl für das Gesamtkonzept, das eigentlich umgesetzt werden soll. Über kurz oder lang führt der strategische Kurzschluss dazu, dass die Organisation keine Strategie mehr und damit keine klare Orientierung hat.

Strategische Kurzschlüsse verhindern, dass Unternehmen ihre ganzheitliche Logik in den Mittelpunkt der Betrachtung stellen. Ein Fokus auf Einzelmaßnahmen statt auf eine schlüssige Strategie entzieht Organisationen den roten Faden, den sie auf dem Weg an die Spitze brauchen. Wer arbeitet sich schon gerne an einzelnen Projekten ab, ohne sich in ein kohärentes Ganzes eingebunden zu fühlen? Wer kann sich sicher sein, dass einzelne Maßnahmen aufeinander aufbauen, wenn sie unabhängig voneinander abgeleitet wurden? Wer hat schon das Gefühl, an einer zukunftsträchtigen Strategie mitzuarbeiten, wenn sie einer Aneinanderreihung einzelner Feststellungen entspringt und nicht einem ganzheitlichen Konzept der Weiterentwicklung des Unternehmens?

Der Weg zum Marktmeister

Nicht einzelne Verbesserungen hier und dort lassen das Unternehmen auf dem Weg zum Marktmeister stärker als der Wettbewerb werden, sondern eine ganzheitliche Logik, welche konzeptionelle Stärke und Umsetzungskompetenz intelligent verwebt. Es muss klar werden, was das Unternehmen anstrebt und wofür es da ist, mit welchem Konzept es den Wettbewerb schlagen will und welche Ziele erreicht werden müssen, damit dies gelingt. Der Schlüssel ist ein durchgängiges Denken über die Zukunft, kein Stückwerk an Einzelmaßnahmen!

Sie suchen nach Wegen, den strategischen Kurzschluss im Rahmen der Strategiearbeit in Ihrem Unternehmen zu vermeiden? Das Strategiebuch »Touchdown! Wie Unternehmen unschlagbar werden« bietet dazu viele innovative Ansätze. Oder Sie nehmen mit mir direkt Kontakt auf: touchdown@horvath-partners.com.

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